Hallo ihr Lieben,
wünsche euch zu allererst Frohe Weihnachten, was man hier eigentlich erst morgen so richtig feiert. Die Sonne scheint weiterhin, man kann ohne Frösteln in kurzen Hosen und T-Shirt rumlaufen und Schnee gibt's logischerweise auch keinen. Gestern abend bin ich vom Strand (Maruata hieß der Ort) wiedergekommen. Es war sehr schön dort, ich habe die Tage mit Annabell, ihrem Freund Emanuel und Daniel verbracht. Unser treuer Gringo-Reisegefährte war sogar so nett, uns drei Stunden entgegen seines eigentlichen Ziels Barra de Navidad direkt zum Strand zu fahren, wo er dann auch nur eine Nacht mit uns geblieben ist. Die Tage dort waren sehr schön, wir haben uns gut amüsiert, geschwommen, gesonnt, Kartoffeln im Feuer, Guacamole und Kochbananen gemacht, Ananas gegessen und in der Hängematte gelegen. Wir haben auch Javier, einen sehr netten, jungen mexikanischen Papa aus GDL kennen gelernt, der uns netterweise mit zurück genommen hat.
Ich bin schließlich bei Zaira untergekommen, einer Mexikanerin, mit der ich letzten Sonntag auf der Via recreativa war. V.R. bedeutet, dass zwei große Straßen, die durch GDL laufen, gesperrt werden und Fußgänger, Radfahrer, Skater usw. darauf fahren dürfen. Ist ne wirklich schöne Sache. Netterweise darf ich bei ihr schlafen und habe sogar ein eigenes Zimmer mit Bett :)
Ich glaube, ich kann mit Sicherheit behaupten, Weihnachten noch nie so verbracht zu haben. Fühle mich schon ein wenig verloren oder eben nur zeitweise an einem Ort zu Hause. Heute abend werde ich zu Mauricio gehen und mit seiner Familie feiern. Mein Weihnachtsgeschenk an sie wird ein typisch deutsches Drei-Gänge-Menü sein, dass ich ihnen nach meiner Rückkehr kochen werde. Da ich seine Eltern nicht so gut kenne, aber weiß, dass sie gerne essen, wird ihnen dieses Geschenk bestimmt Freude machen. Am 25. Dezember wird hier dann wohl mehr gefeiert, ich werde zusammen mit Mau und seiner familia zu einer Tante gehen und ich bin einfach mal gespannt, was dort so das übliche Protokoll zu Weihnachten ist. Und bestimmt fühle ich mich dann ein wenig besser aufgehoben und zu Hause.
Sehr glücklich war ich, als ich vor einer Woche endlich die Bestätigung meines Semester an der hiesigen Uni, der Universidad de Guadalajara abgeholt habe und schwarz auf weiß in meinen Händen hielt. Alle meine Kurse, die ich mir zu Hause eher blind und nur nach Interesse ausgesucht habe, sind mir zugeteilt worden. Falls man sich noch umentscheiden oder andere Kurse belegen möchte, kann man als Austauschstudent ab dem Studienbeginn im Februar zwei Wochen lang class-hopping betreiben. Super!
Mit einer neuen Unterkunft hat sich noch nichts getan, aber ich habe vor, mir ab Februar eine casita, ein kleines Häuschen in der Nähe meiner Fakultät, der CUCSH (Centro Universitario de Ciencias Sociales y Humanas) mit América, Karla und Hugo, drei Mexikanern, zu teilen: Die drei sind super drauf und ich hoffe, dass sie laut eigenem Versprechen schon auf der Suche danach sind.
Silvester verbringe ich vielleicht in Mexiko City (México D.F.), eventuell begebe ich mich aber auch schon nach den Weihnachtsfeiertagen auf meine Surf- und Kultur-Tour Richtung Chiapas, dem ärmsten, südlichsten und wohl auch faszinierendsten mexikanischen Bundesstaat. Das hängt davon ab, ob ich in D.F. bei Javier und José, zwei Kumpels vom Zivildienst unterkommen kann und wohin es mich eher zieht.
Mit der Sprache klappt es mittlerweile ganz gut, immer besser, aber ich erhoffe mir doch mehr von den nächsten paar Monaten, da ich während meinem Praktikum am Colegio Alemán unter der Woche immer wieder Deutsch gesprochen habe und so kommt man natürlich nie richtig in die Sprache rein.
Unglaublich froh bin ich, bei meiner Vermieterin raus zu sein. Keine Details mehr, die gab's schon zur Genüge einen Post weiter südlich. Long story short: ich muss keine Miete für Januar zahlen, da ich ihr aber bei der Kündigung letzten Dienstag gesagt hatte, dass ich über die Weihnachtsfeiertage und Silvester bei Mauricio unterkommen würde, was nun leider doch nicht geht, hatte sie wohl schon alles verplant und ich musste regelrecht darum kämpfen, um noch eine Nacht in meinem (für den Rest des Monats bezahlten) Zimmer zu schlafen. Ich reg' mich schon wieder auf, schlecht fürs Herz, ich lass das mal lieber. Haarsträubenderweise erzählte sie mir auch, dass sie aufgrund der spontanen Kündigung keinen Zugriff auf meine Kaution hätte und erst ab 2. Januar darauf Zugriff hätte. Völliger Mumpitz, Mauricio und ich gehen davon aus, dass sie einfach schon ihr Budget für Dezember und Weihnachten verplant hat. Nun ja, rückblickend gesehen habe ich zu viel Geld für eine mehr oder wenigerbequeme, aber unschöne Wohnsituation bezahlt und habe mich zu oft geärgert. Das lass ich jetzt hinter mir und blicke frohen Mutes in meine vor mir liegende Zeit als Tourist und Austauschstudent.
Montag, 24. Dezember 2007
Dienstag, 11. Dezember 2007
Ärger mit der Vermieterin - mir reicht's!
Ich muss mir mal eben den Frust von der Seele schreiben. Wenn ihr keine Lust auf solche Mieter-Vermietergeschichten habt, dann lest einfach was sinnvolles. Zeitung oder so.
Wie ihr wisst, wohne ich in seiner so genannten "casa de asistencia" (siehe auch weiter unten "Die ersten Tage"), sprich ich wohne mit der Vermieterin, ihrem Sohn und einem weiteren Studenten zusammen. Für 4800 Pesos im Monat, was ca. 310 Euro entspricht, macht sie unser Zimmer sauber, wäscht und bügelt unsere Wäsche, kocht uns ein Mittagessen, bei Bedarf auch Abendessen und stellt uns Frühstück bereit. So wollte ich es, so habe ich es bisher bekommen.
Gleich in der zweiten Woche bin ich schon mit ihr aneinander geraten, da ich für den 3. Oktober (Tag der deutschen Einheit) Badische Apfelküchle machen wollte, um sie für das gemeinsame Frühstück, das deutsche Lehrer organisieren, in die Schule mitzubringen. Da sie an dem Tag eh einkaufen gegangen ist und ich mal eben 'ne gute Woche in Mexiko war, hab ich sie gebeten, mir ein paar Sachen mitzubringen.
Schon als sie mit den Einkäufen nach Hause kam, hat sie sofort nach dem Geld für die Zutaten gefragt und war schon eine ganze Ecke steifer. Später, als ich dann anfing, die Apfelringe mit dem Teig in Fett auszubacken, kam sie zur Tür herein und das Theater fing an.
Sie redete etwas von einem "palo más alto", den ich mir verdient hätte (sprich eine Tracht Prügel, wenn ich das richtig verstanden habe), und dass ich von nun an nie mehr etwas in ihrer Küche machen dürfte, was ich woanders hin mitnehmen würde.
Ihr kennt mich vielleicht ein wenig und wisst, wie gerne ich koche und wie akribisch ich beim Saubermachen sein kann. Genau so habe ich auch ihre Küche wieder hinterlassen, blitzeblank, so wie vorher, wenn nicht noch strahlender. War ihr das genug? Nein! Sie meckerte in einer Tour weiter, beschwerte sich, jammerte mir die Ohren voll und wollte noch nicht einmal mehr etwas von den Küchle probieren. Gut, ich muss zugeben, ich habe ihre Küche, die wirklich klein ist, für drei Stunden, bis Halb Elf Uhr nachts in Beschlag gehalten, aber sie konnte das Sandwich, was sie für den anderen Studenten normalerweise hinstellt, ohne Probleme schmieren. Es war vielleicht ein wenig eng für 5 Minuten, aber das war's dann auch schon.
Sie hört einfach nicht auf, mich zuzutexten, so dass es mir dann irgendwann gereicht hat und ich mich nach kurzer Ankündigung (ya me voy) in mein Zimmer verzogen habe.
Am nächsten Tag haben wir uns "ausgesprochen", sprich sie hat das getan, was sie am besten kann: Darüber zu reden, was die anderen Hauswirtinnen alles nicht machen und sie besser, zu reden, zu reden und noch ein bisschen mehr zu reden. Sie erklärte, dass sie nicht an Männer in der Küche gewöhnt sei und ein seltsames Gefühl gehabt hätte. In der Tat ist ihr Sohn in der Nacht in seiner Wohnung zusammengebrochen und konnte irgendwie die Nachbarn verständigen, die ihn dann ins Krankenhaus gefahren haben. Das ist heftig, keine Frage. Ob's stimmt, eine andere.
Nach einer Stunde hatte ich ihr meine Sicht der Dinge geschildert, kurz mit Auszug gedroht und hatte für mich entschieden, dass ich auf keinen Fall mehr einen Fuß in ihre Küche setzen würde um dort etwas zu kochen, geschweige denn etwas für sie. Schade.
Fortsetzung des ganzen Ärgernisses
Señora Sonia kommt jeden Tag in unsere Zimmer, leert die Mülleimer, nimmt die dreckige Wäsche mit und saugt die Zimmer, wenn's nötig sein sollte. Bisher hatte ich immer meine Flip-Flops (=Hausschuhe) und manchmal auch ein paar Turnschuhe draußen stehen lassen, die von ihr konsequent in den Wandschrank in meinem Zimmer geräumt wurden, in dem ich alle meine Kleider und Taschen/Koffer verstaue. Das ging mir schon länger auf dem Keks, jedes Mal den Kleiderschrank zu öffnen, um an meine Latschen zu kommen. Ja, natürlich könnte ich das einfach so hinnehmen, aber man hat eben so seine Gewohntheiten und ein Mindestmaß an "Chaos" gehört einfach in ein Studentenzimmer wie klingelnde Handys ins Kino. Wenn es mal nicht klingen sollte, nimmt man es vielleicht angenehm zur Kenntnis, falls doch, regt man sich halt kurz auf und fertig. Vielleicht nicht der beste Vergleich, aber ihr versteht schon.
Keine Lust, wieder mein geliebtes Schuhwerk aus dem Dunkel des Kleiderkerkers zu befreien, habe ich ihr also heute morgen eine kurze Nachricht geschrieben: "Liebe Frau Sonia, bitte lassen sie meine Schuhe draußen stehen. Vielen Dank!" Das Resultat war phantastisch. Als ich heim kam, standen meine Schuhe an exakt dem Platz, an dem ich sie am morgen zurückgelassen hatte. Es verwirrte mich jedoch ein wenig, dass der Zettel immer noch dort war. Kurz nachdem ich nach Hause gekommen war, hielt sie mir dann wieder mal einen Vortrag, in dessen Verlauf sie sich ein wenig in Rage redete und mich fragte, ob sie sich wohl auch verpflichtet fühlt, eine Mutterrolle einnehmen zu müssen. Sie redete darüber, dass sie mir ja erlauben würde, mein Fahrrad, Surfboard und Longboard (skateboard) in meinem Zimmer aufzubewahren, sie keine muchacha, also ein Zimmermädchen oder Haushaltshilfe einstellen würde, sondern alles selbst machen würde und ihr das die Arbeit nicht gerade erleichtern würde. Stimmt, und ich bin ihr sehr dankbar dafür, dass ich meine Sachen in meinem angemieteten 10 Quadratmetern unterbringen kann und nicht gezwungen bin, diese Dinge auf dem Hausdach zu lagern, wo sich jeder selbst bedienen kann. Wirklich, ein feiner Zug von ihr, sehr großzügig.
Sie hielt mir vor, dass ich bisher zwei Gläser zerbrochen habe, leichte, nie mehr zu entfernende Streifen an die Wand unter meinem an die Wand gequetschten Minischreibtisch gemacht hätte und ihren 10-Euro-Klappstuhl, mit dem ich meine Wirbelsäule malträtiere, ebenfalls ein wenig in Mitleidenschaft gezogen hätte. Stimmt, ist mir alles passiert, tut mir auch leid, es geschah aus purem Zufall und ohne böse Hintergedanken. Was bitte kann ich dafür, wenn eine angerostete Strebe dieses hochwertigen chinesischen Qualitätsproduktes unter leichtem Druck nachgibt? Und ja, ich weiß, dass man keine Obstreste im Mülleimer zurücklässt, da es kleine hungrige Tierchen anzieht, kommt nicht mehr vor.
Aber dafür zahle ich Miete, und für mexikanische Verhältnisse nicht zu wenig. Man sollte meinen, für das bisschen Schwund sollte das Geld ausreichen. Ich hab mich während dem ganzen Gespräch gefragt, dass es eigentlich nicht sein kann, dass ich solche elternhaften Vorträge gehalten bekomme, wenn ich einfach nur ein Zimmer mit den angeführten Leistunden haben möchte und ich ihr damit teilweise den Lebensunterhalt finanziere - sie geht nämlich keiner anderen beschäftigung nach.
Damit nicht genug. Ich denke, die ganze Angelegenheit beruhte auf unserer unterschiedichen Auffassung von individueller Freiheit beziehungsweise der Vorstellung, wie ein Zimmer auszusehen hat, egal, ob jemand darin wohnt oder nicht.
Vor zwei Wochen hat sie den Fernseher in meinem Zimmer mit dem ihres Sohnes getauscht, weil der seine den Geist aufgegeben hat. Komisch, er war doch erst ein paar Jahre alt und lief nur den halben Tag. Das kam mir gerade recht, wenn auch etwas unvermutet und überraschend, aber eigentlich war ich froh, dass ich nicht mehr die Flimmerkiste in meinem Zimmer stehen hatte. Den in den 3 Wochen hatte ich meine Nachmittage und Abende mit den Kollegen von Scrubs, The Office oder Reno 911 verbracht. Keine schlechten Serien, aber es gibt doch interessantere Dinge in Mexiko, als sich den ganzen Nachmittag vor die Glotze zu hocken. Zum Beispiel, sich mit der eigenen Vermieterin rumzuplagen und danach einen mittellangen Kommentar darüber zu schreiben. Irgendwie muss der Ärger ja raus.
Am nächsten Tag stellten sie mir aber keinen anderen Fernseher ins Zimmer, sondern den kaputten von ihrem Sohn. Da ich keine Lust habe, Elektronikschrott in meinem Zimmer rumstehen zu haben, habe ich ihn eben in meinen Kleiderschrank geräumt, wo er sicher steht. Natürlich erst, nachdem sie meinte, dass sie leider keinen anderen Platz dafür hätte. Also gut, dann ab in den Schrank. Aus den Augen, aus dem Sinn.
Wie schon gesagt, wie immer hing mal alles an unterschiedlichen Ansichten zu einem bestimmten Thema. Sie machte mir über mehrere Minuten in entsprechend intensivem Ton deutlich, dass Fernseher, egal ob kaputt oder nicht, und Schuhe einen gewissen Platz hätten, denn wenn die Schuhe nicht an ihrem zugewiesenen Ort ständen, würde sie nicht saubermachen. Ich war kurz versucht, die Schuhe tatsächlich dort stehen zu lassen und auf ihre Reaktion am nächsten Tag zu warten, hab's dann aber dann doch gelassen, dem lieben Frieden wegen.
Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, und ich werde mich bald mithilfe von Mauricio in die Verhandlungen um meine Kaution und den Monat Januar begeben, da ich die ganzen vier Wochen nicht in Guadalajara sein werde, sondern mich Richtung Chiapas aufmache und nicht vorhabe, ihr dafür Miete zu zahlen. Oh mann. Wenn das alles ausgestanden ist und ich meine Kohle in der Hand habe, werde ich ihr mal klar und deutlich sagen, was ich von diesem Irrenhaus wirklich halte.
Und die Moral von der Geschicht': Wohnung bei Señora Sonia lohnt sich nicht.
Wie ihr wisst, wohne ich in seiner so genannten "casa de asistencia" (siehe auch weiter unten "Die ersten Tage"), sprich ich wohne mit der Vermieterin, ihrem Sohn und einem weiteren Studenten zusammen. Für 4800 Pesos im Monat, was ca. 310 Euro entspricht, macht sie unser Zimmer sauber, wäscht und bügelt unsere Wäsche, kocht uns ein Mittagessen, bei Bedarf auch Abendessen und stellt uns Frühstück bereit. So wollte ich es, so habe ich es bisher bekommen.
Gleich in der zweiten Woche bin ich schon mit ihr aneinander geraten, da ich für den 3. Oktober (Tag der deutschen Einheit) Badische Apfelküchle machen wollte, um sie für das gemeinsame Frühstück, das deutsche Lehrer organisieren, in die Schule mitzubringen. Da sie an dem Tag eh einkaufen gegangen ist und ich mal eben 'ne gute Woche in Mexiko war, hab ich sie gebeten, mir ein paar Sachen mitzubringen.
Schon als sie mit den Einkäufen nach Hause kam, hat sie sofort nach dem Geld für die Zutaten gefragt und war schon eine ganze Ecke steifer. Später, als ich dann anfing, die Apfelringe mit dem Teig in Fett auszubacken, kam sie zur Tür herein und das Theater fing an.
Sie redete etwas von einem "palo más alto", den ich mir verdient hätte (sprich eine Tracht Prügel, wenn ich das richtig verstanden habe), und dass ich von nun an nie mehr etwas in ihrer Küche machen dürfte, was ich woanders hin mitnehmen würde.
Ihr kennt mich vielleicht ein wenig und wisst, wie gerne ich koche und wie akribisch ich beim Saubermachen sein kann. Genau so habe ich auch ihre Küche wieder hinterlassen, blitzeblank, so wie vorher, wenn nicht noch strahlender. War ihr das genug? Nein! Sie meckerte in einer Tour weiter, beschwerte sich, jammerte mir die Ohren voll und wollte noch nicht einmal mehr etwas von den Küchle probieren. Gut, ich muss zugeben, ich habe ihre Küche, die wirklich klein ist, für drei Stunden, bis Halb Elf Uhr nachts in Beschlag gehalten, aber sie konnte das Sandwich, was sie für den anderen Studenten normalerweise hinstellt, ohne Probleme schmieren. Es war vielleicht ein wenig eng für 5 Minuten, aber das war's dann auch schon.
Sie hört einfach nicht auf, mich zuzutexten, so dass es mir dann irgendwann gereicht hat und ich mich nach kurzer Ankündigung (ya me voy) in mein Zimmer verzogen habe.
Am nächsten Tag haben wir uns "ausgesprochen", sprich sie hat das getan, was sie am besten kann: Darüber zu reden, was die anderen Hauswirtinnen alles nicht machen und sie besser, zu reden, zu reden und noch ein bisschen mehr zu reden. Sie erklärte, dass sie nicht an Männer in der Küche gewöhnt sei und ein seltsames Gefühl gehabt hätte. In der Tat ist ihr Sohn in der Nacht in seiner Wohnung zusammengebrochen und konnte irgendwie die Nachbarn verständigen, die ihn dann ins Krankenhaus gefahren haben. Das ist heftig, keine Frage. Ob's stimmt, eine andere.
Nach einer Stunde hatte ich ihr meine Sicht der Dinge geschildert, kurz mit Auszug gedroht und hatte für mich entschieden, dass ich auf keinen Fall mehr einen Fuß in ihre Küche setzen würde um dort etwas zu kochen, geschweige denn etwas für sie. Schade.
Fortsetzung des ganzen Ärgernisses
Señora Sonia kommt jeden Tag in unsere Zimmer, leert die Mülleimer, nimmt die dreckige Wäsche mit und saugt die Zimmer, wenn's nötig sein sollte. Bisher hatte ich immer meine Flip-Flops (=Hausschuhe) und manchmal auch ein paar Turnschuhe draußen stehen lassen, die von ihr konsequent in den Wandschrank in meinem Zimmer geräumt wurden, in dem ich alle meine Kleider und Taschen/Koffer verstaue. Das ging mir schon länger auf dem Keks, jedes Mal den Kleiderschrank zu öffnen, um an meine Latschen zu kommen. Ja, natürlich könnte ich das einfach so hinnehmen, aber man hat eben so seine Gewohntheiten und ein Mindestmaß an "Chaos" gehört einfach in ein Studentenzimmer wie klingelnde Handys ins Kino. Wenn es mal nicht klingen sollte, nimmt man es vielleicht angenehm zur Kenntnis, falls doch, regt man sich halt kurz auf und fertig. Vielleicht nicht der beste Vergleich, aber ihr versteht schon.
Keine Lust, wieder mein geliebtes Schuhwerk aus dem Dunkel des Kleiderkerkers zu befreien, habe ich ihr also heute morgen eine kurze Nachricht geschrieben: "Liebe Frau Sonia, bitte lassen sie meine Schuhe draußen stehen. Vielen Dank!" Das Resultat war phantastisch. Als ich heim kam, standen meine Schuhe an exakt dem Platz, an dem ich sie am morgen zurückgelassen hatte. Es verwirrte mich jedoch ein wenig, dass der Zettel immer noch dort war. Kurz nachdem ich nach Hause gekommen war, hielt sie mir dann wieder mal einen Vortrag, in dessen Verlauf sie sich ein wenig in Rage redete und mich fragte, ob sie sich wohl auch verpflichtet fühlt, eine Mutterrolle einnehmen zu müssen. Sie redete darüber, dass sie mir ja erlauben würde, mein Fahrrad, Surfboard und Longboard (skateboard) in meinem Zimmer aufzubewahren, sie keine muchacha, also ein Zimmermädchen oder Haushaltshilfe einstellen würde, sondern alles selbst machen würde und ihr das die Arbeit nicht gerade erleichtern würde. Stimmt, und ich bin ihr sehr dankbar dafür, dass ich meine Sachen in meinem angemieteten 10 Quadratmetern unterbringen kann und nicht gezwungen bin, diese Dinge auf dem Hausdach zu lagern, wo sich jeder selbst bedienen kann. Wirklich, ein feiner Zug von ihr, sehr großzügig.
Sie hielt mir vor, dass ich bisher zwei Gläser zerbrochen habe, leichte, nie mehr zu entfernende Streifen an die Wand unter meinem an die Wand gequetschten Minischreibtisch gemacht hätte und ihren 10-Euro-Klappstuhl, mit dem ich meine Wirbelsäule malträtiere, ebenfalls ein wenig in Mitleidenschaft gezogen hätte. Stimmt, ist mir alles passiert, tut mir auch leid, es geschah aus purem Zufall und ohne böse Hintergedanken. Was bitte kann ich dafür, wenn eine angerostete Strebe dieses hochwertigen chinesischen Qualitätsproduktes unter leichtem Druck nachgibt? Und ja, ich weiß, dass man keine Obstreste im Mülleimer zurücklässt, da es kleine hungrige Tierchen anzieht, kommt nicht mehr vor.
Aber dafür zahle ich Miete, und für mexikanische Verhältnisse nicht zu wenig. Man sollte meinen, für das bisschen Schwund sollte das Geld ausreichen. Ich hab mich während dem ganzen Gespräch gefragt, dass es eigentlich nicht sein kann, dass ich solche elternhaften Vorträge gehalten bekomme, wenn ich einfach nur ein Zimmer mit den angeführten Leistunden haben möchte und ich ihr damit teilweise den Lebensunterhalt finanziere - sie geht nämlich keiner anderen beschäftigung nach.
Damit nicht genug. Ich denke, die ganze Angelegenheit beruhte auf unserer unterschiedichen Auffassung von individueller Freiheit beziehungsweise der Vorstellung, wie ein Zimmer auszusehen hat, egal, ob jemand darin wohnt oder nicht.
Vor zwei Wochen hat sie den Fernseher in meinem Zimmer mit dem ihres Sohnes getauscht, weil der seine den Geist aufgegeben hat. Komisch, er war doch erst ein paar Jahre alt und lief nur den halben Tag. Das kam mir gerade recht, wenn auch etwas unvermutet und überraschend, aber eigentlich war ich froh, dass ich nicht mehr die Flimmerkiste in meinem Zimmer stehen hatte. Den in den 3 Wochen hatte ich meine Nachmittage und Abende mit den Kollegen von Scrubs, The Office oder Reno 911 verbracht. Keine schlechten Serien, aber es gibt doch interessantere Dinge in Mexiko, als sich den ganzen Nachmittag vor die Glotze zu hocken. Zum Beispiel, sich mit der eigenen Vermieterin rumzuplagen und danach einen mittellangen Kommentar darüber zu schreiben. Irgendwie muss der Ärger ja raus.
Am nächsten Tag stellten sie mir aber keinen anderen Fernseher ins Zimmer, sondern den kaputten von ihrem Sohn. Da ich keine Lust habe, Elektronikschrott in meinem Zimmer rumstehen zu haben, habe ich ihn eben in meinen Kleiderschrank geräumt, wo er sicher steht. Natürlich erst, nachdem sie meinte, dass sie leider keinen anderen Platz dafür hätte. Also gut, dann ab in den Schrank. Aus den Augen, aus dem Sinn.
Wie schon gesagt, wie immer hing mal alles an unterschiedlichen Ansichten zu einem bestimmten Thema. Sie machte mir über mehrere Minuten in entsprechend intensivem Ton deutlich, dass Fernseher, egal ob kaputt oder nicht, und Schuhe einen gewissen Platz hätten, denn wenn die Schuhe nicht an ihrem zugewiesenen Ort ständen, würde sie nicht saubermachen. Ich war kurz versucht, die Schuhe tatsächlich dort stehen zu lassen und auf ihre Reaktion am nächsten Tag zu warten, hab's dann aber dann doch gelassen, dem lieben Frieden wegen.
Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, und ich werde mich bald mithilfe von Mauricio in die Verhandlungen um meine Kaution und den Monat Januar begeben, da ich die ganzen vier Wochen nicht in Guadalajara sein werde, sondern mich Richtung Chiapas aufmache und nicht vorhabe, ihr dafür Miete zu zahlen. Oh mann. Wenn das alles ausgestanden ist und ich meine Kohle in der Hand habe, werde ich ihr mal klar und deutlich sagen, was ich von diesem Irrenhaus wirklich halte.
Und die Moral von der Geschicht': Wohnung bei Señora Sonia lohnt sich nicht.
Donnerstag, 6. Dezember 2007
Update!
Ick wees, ick wees, hab mir n büschn Zeit gelassen, bis ich wieder was raufgestellt habe. Aber dafür sind die Bilder gut geworden und es gibt viel zu erzählen. Die Berichte kommen noch diese Woche, schaut euch doch mal fürs erste die zwei neuen Fotogalerien in meinem Webalbum an, einmal von den drei Wochenenden, die ich am Strand in Barra de Navidad verbracht habe und das andere mal von den Tagen der Toten in der Region um Morelia am Wochenende vom 1. November. Diashow starten und zurücklehnen...!
Samstag, 6. Oktober 2007
Die ersten Tage...
...waren nicht so richtig spannend, aber in Ordnung. Von Mauricio und seiner Familie wurde ich sehr freundlich empfangen, aufgenommen und durfte auch während der ersten paar Tage im Zimmer des Bruders wohnen, der bis Januar in Schweden ist. Der Satz "Eres en tu casa" (=Du bist in deinem Haus, fühl dich wie zu Hause) fiel nicht nur einmal und war auch wirklich so gemeint. Die Familie wohnt im Bereich Providencia, einer recht ruhigen und sicheren Gegend etwas außerhalb des Zentrums. Seine Eltern, Maribel und Carlos kommen aus dem Baskenland bzw. von den Kanaren. Die meisten Häuser hier werden direkt Wand-an-Wand gebaut, viel Platz für Gärten gibt's meist nicht, und wenn, sehen sie ein bisschen Playmobil-mäßig aus. Wie viele wohlhabende Familien hat auch seine eine Haushälterin, die aus der Hauptstadt México D.F. kommt. Außerdem gibt's noch eine Frau, die Mauricios Mutter bei der Wäsche hilft. Maribel meint, dass sie floja wäre, also ein wenig arbeitsscheu oder faul.Mauricio habe ich leider nicht so oft gesehen, da er wirklich viel in der Firma seines Vaters arbeitet, die vor allem medizinsche Verpackungen herstellt. Trotz der vielen Arbeit hat er mir sehr geholfen und ich konnte ihn auch auf der Arbeit anrufen. So haben wir uns schon am dritten Tag Wohnungen angeschaut. Zuerst waren wir im Zentrum, wo die Häuser älter und meist ein wenig heruntergekommen sind, und haben uns eine WG angeschaut, in der Julia aus dem Pfleghof eine Zeit lang gewohnt hat. War mir aber dann doch ein wenig zu versifft für den Europa-verwöhnten Oli. Económico, vielleicht was fürs Sommersemester. Schließlich habe ich mich dann für eine casa de asistencia in Mauricios Nachbarschaft entschieden, was bedeutet, dass man in einem Haus oder einer Wohnung mit der Besitzerin und weiteren Studenten zusammenwohnt, die in Einzel- oder Doppelzimmern untergebracht sind.
Jetzt wohne ich in einem vierstöckigen, wunderhübschen Betonbau mit Señora Sonia, Arturo (20), einem Medizinstudenten aus Nogales, was an der Grenze zu den USA liegt, und Leonel, ihrem 32-jährigen Sohn. Von Arturo bekommt man nicht viel mit, er wohnt schon seit 5 Semestern dort, er hat hier eben schon seinen Freundeskreis usw., ist aber immer freundlich und höflich. Leonel hat's nicht ganz leicht. Er ist echt nett und hilfsbereit wie so viele Mexikaner, hatte einen Gehirntumor, der ihm erfolgreich entfernt wurde und wohnt eigentlich in Cancún, wo er mit Bademoden handelt. Seit der geglückten Operation, Chemotherapie und Reha wohnt er aber in GDL und seit einem Sturz vor ein paar Tagen auf den Rücken hat er sich entschlossen, doch wieder fürs erste zu seiner jefa, also seiner Mutter zu ziehen. Mein Zimmer ist klein, aber viel brauche ich ja nicht. Der größte Vorteil des Zimmers ist, dass Sonia uns (gutes) Essen kocht, unsere Wäsche wäscht, bügelt und alles putzt "¡todo limpio limpio!" (Alles schön sauberchen!) - wir müssen also fast nichts machen. Und das alles für 320 Euro im Monat...!
Jetzt wohne ich in einem vierstöckigen, wunderhübschen Betonbau mit Señora Sonia, Arturo (20), einem Medizinstudenten aus Nogales, was an der Grenze zu den USA liegt, und Leonel, ihrem 32-jährigen Sohn. Von Arturo bekommt man nicht viel mit, er wohnt schon seit 5 Semestern dort, er hat hier eben schon seinen Freundeskreis usw., ist aber immer freundlich und höflich. Leonel hat's nicht ganz leicht. Er ist echt nett und hilfsbereit wie so viele Mexikaner, hatte einen Gehirntumor, der ihm erfolgreich entfernt wurde und wohnt eigentlich in Cancún, wo er mit Bademoden handelt. Seit der geglückten Operation, Chemotherapie und Reha wohnt er aber in GDL und seit einem Sturz vor ein paar Tagen auf den Rücken hat er sich entschlossen, doch wieder fürs erste zu seiner jefa, also seiner Mutter zu ziehen. Mein Zimmer ist klein, aber viel brauche ich ja nicht. Der größte Vorteil des Zimmers ist, dass Sonia uns (gutes) Essen kocht, unsere Wäsche wäscht, bügelt und alles putzt "¡todo limpio limpio!" (Alles schön sauberchen!) - wir müssen also fast nichts machen. Und das alles für 320 Euro im Monat...!Dienstag habe ich dann schon Mauricios komplette Familie bei einer "Housewarming-Party" seines Onkels kennen gelernt, Donnerstag bin ich zum ersten Mal mit Mau, seiner Freundin Yvonne und ihrer Kusine Malena Tacos essen gegangen. ¡Muy rico! Sehr lecker, die Tacos - so ähnlich wie Döner in klein und zum Selberfalten. Mein Magen hat's gut vertragen, so Späßken wie Tacos de lengua oder Labia, also Zunge oder Lippe habe ich aber nicht probiert. Bei Malena habe ich mich dann gleich mal beliebt gemacht, indem ich sie 5 Jahre älter geschätzt habe. Eigentlich ist sie erst 20 Jahre alt. So böse kann sie mir aber nicht gewesen sein, da wir dann freitags mit ihren Freundinnen und Freunden in Old Jack's Bar gegangen - wie so vieles hier recht amerikanisch angehaucht, aber ganz angenehm, viele gemütliche Sessel und Couches laden zum geselligen Verweilen ein. Ich hab's genossen, mal wieder unter Leute zu kommen, da ich mich die ersten Tage nicht so wirklich rausgetrat habe. Blanca, einer ihrer Freundinnen, die alle nutrición, also Ernährung studieren, habe ich ein paar Brocken Deutsch beigebracht - Wörter und Sätze wie Hallo, wie geht's? schneeweiß oder Bausparvertrag - die Basics halt. Später am Abend hat noch ne mexikanische Band Covers und Musik von Coldplay, Creedence Clearwater Revival über Stereophonics bis zu Latin Ska gespielt - und das gar nicht mal schlecht! Als Kamerad Jetlag vorbeigeschaut hat, war's dann auch schon 2 Uhr.
Mehr Bilder gibt's hier.
Fin de semana en La Ticla, Michoacán
Letztes Wochenende, vom 28. bis 30. September durfte ich das erste Mal Pazifik-Luft schnuppern, große Premiere! Anlass war der Geburtstag von Sina, einer sehr netten Mitarbeiterin vom Colegio Alemán de Guadalajara, die einige Leute eingeladen hatte. Mitgekommen sind ein Teil ihres ehemaligen Triathlon-Teams aus Guadalajara, ein paar Lehrer der Schule plus jeweils bessere Hälfte, Judith, Katharina, zwei Praktikantinnen am Colegio Alemán, und ich waren auch mit dabei. Freitag direkt nach der Schule ging's direkt los zu ihrem alten Haus, wo wir nach Umpacken und Anstoßen erst mal ne Stunde auf die Kollegen vom Triathlon gewartet haben. Als wir gerade aufbrechen wollte, kamen sie endlich um die Ecke gebogen und starteten erst mal ein zünftiges Supersoaker-Drive-by, extra für Sina zum Geburtstag. Hachja, gute Freunde :)
Die Fahrt nach La Ticla, was im Bundesstaat Michoacán und knapp 4 Stunden von GDL entfernt liegt, war echt interessant: Die Gegend ist dank hinter uns liegender Regenzeit so richtig grün und wir fuhren durch Palmenfelder, Mango- und Bananenplantagen. Lustig, mal zu sehen, woher das ganze Flugobst herkommt. Bis auf 2 Militärkontrollen kurz vor Ankunft, die deutlich machen sollen, dass etwas gegen den Drogenhandel getan wird, lief alles wie am Schnürchen. Nach Einbruch der Dunkelheit kamen wir dann am Strand an, wo wir ohne viel Bürokratie unsere Zelte unter palapas, also Unterständen mit Palmdächern aufschlagen konnten. Zwei Typen der Triathlon-Crew fingen dann auch ziemlich bald an, die Party durch vollen Körpereinsatz zum Laufen zu bringen. Ein neues Spiel habe ich auch gelernt, und zwar "Eiswürfel-Passing", sprich: Ein Eiswürfel muss in der Runde herumgegeben werden - alles mit dem Mund. Das nenn ich doch mal ne Art, das Eis zu brechen!
Trotzdem war ich nicht so ganz in Partylaune und zog mich gegen Mitternacht in mein Luxusdomizil mit den Maßen 1,83 x 1,52 x 0,92 zurück. Und da drin sollen theoretisch zwei ausgewachsene Personen Platz finden? Na egal, Hauptsache am Meer! Nach einer kurzen und harten Nacht war der Anblick der Wellen am nächsten Morgen mehr als eine Entschädigung! Leider hatte ich kein Surfbrett dabei und so hab ich mich eben zu Daniel gesetzt, einem bulligen Texaner, der am Strand saß und seine surf buddies beim Rippen filmte. Wir unterhielten uns ganz nett, schauten den Wellen und seinen Kumpels zu. Ich erzählte ihm von meinem Sommer im Wellenreiter-Camp, meinem Praktikum an der Deutschen Schule und er erzählte mir, dass sie schon seit 30 Jahren nach La Ticla fahren und dort früher auch schon mal Leute umgebracht wurden. Wie war das noch mit "Früher war alles besser"...? Als der Surf ein wenig "schlechter" wurde, kamen seine Kumpels aus dem Wasser und einer von ihnen, Michael, meinte, er hätte noch ein 7'2er Brett im Dorf, das dort seit drei Jahren liegt, weil er keine Lust hatte, nochmal 100 Dollar für den Flugtransport zu zahlen. Obwohl er anfangs nicht so wirkte, als ob er wirklich Bock hätte, es zu verkaufen, ging er dann doch noch ins Dorf und Daniel der Kameramann meinte zu mir am Abreisetag, ich sollte noch mal vorbeischauen, bevor ich fahre.
Die Fahrt nach La Ticla, was im Bundesstaat Michoacán und knapp 4 Stunden von GDL entfernt liegt, war echt interessant: Die Gegend ist dank hinter uns liegender Regenzeit so richtig grün und wir fuhren durch Palmenfelder, Mango- und Bananenplantagen. Lustig, mal zu sehen, woher das ganze Flugobst herkommt. Bis auf 2 Militärkontrollen kurz vor Ankunft, die deutlich machen sollen, dass etwas gegen den Drogenhandel getan wird, lief alles wie am Schnürchen. Nach Einbruch der Dunkelheit kamen wir dann am Strand an, wo wir ohne viel Bürokratie unsere Zelte unter palapas, also Unterständen mit Palmdächern aufschlagen konnten. Zwei Typen der Triathlon-Crew fingen dann auch ziemlich bald an, die Party durch vollen Körpereinsatz zum Laufen zu bringen. Ein neues Spiel habe ich auch gelernt, und zwar "Eiswürfel-Passing", sprich: Ein Eiswürfel muss in der Runde herumgegeben werden - alles mit dem Mund. Das nenn ich doch mal ne Art, das Eis zu brechen!
Trotzdem war ich nicht so ganz in Partylaune und zog mich gegen Mitternacht in mein Luxusdomizil mit den Maßen 1,83 x 1,52 x 0,92 zurück. Und da drin sollen theoretisch zwei ausgewachsene Personen Platz finden? Na egal, Hauptsache am Meer! Nach einer kurzen und harten Nacht war der Anblick der Wellen am nächsten Morgen mehr als eine Entschädigung! Leider hatte ich kein Surfbrett dabei und so hab ich mich eben zu Daniel gesetzt, einem bulligen Texaner, der am Strand saß und seine surf buddies beim Rippen filmte. Wir unterhielten uns ganz nett, schauten den Wellen und seinen Kumpels zu. Ich erzählte ihm von meinem Sommer im Wellenreiter-Camp, meinem Praktikum an der Deutschen Schule und er erzählte mir, dass sie schon seit 30 Jahren nach La Ticla fahren und dort früher auch schon mal Leute umgebracht wurden. Wie war das noch mit "Früher war alles besser"...? Als der Surf ein wenig "schlechter" wurde, kamen seine Kumpels aus dem Wasser und einer von ihnen, Michael, meinte, er hätte noch ein 7'2er Brett im Dorf, das dort seit drei Jahren liegt, weil er keine Lust hatte, nochmal 100 Dollar für den Flugtransport zu zahlen. Obwohl er anfangs nicht so wirkte, als ob er wirklich Bock hätte, es zu verkaufen, ging er dann doch noch ins Dorf und Daniel der Kameramann meinte zu mir am Abreisetag, ich sollte noch mal vorbeischauen, bevor ich fahre.
Gesagt, getan. Das Brett war echt gut erhalten, der Blank vielleicht nicht mehr ganz blütenweiß, ein paar kleinere Dellen sind drin, aber ansonsten top. Die Planke ist schön dick laminiert, nach 3 Jahren richtig gut ausgehärtet und sie hat Volumen, am dicksten Punkt vielleicht 2 5/8 Inch. Wie ihr nebenan sehen könnt, ist Michael, der Texaner nicht gerade der Typ Marathonläufer. Trotzdem funktioniert das Brett echt gut. Durch die Dicke lässt es sich gut paddeln und es gleitet schön früh an. Bei grossen Bedingen habe ich's noch nicht gefahren, aber bis ich mich in irgendwas über 2 Meter reintraue, vergeht wohl noch etwas Zeit. Obwohl, mal sehen...Von Sina konnte ich mir dann zum Glück noch Geld leihen und nach einer kurzen Probefahrt, wenn auch nur im Weißwasser, wusste ich: Das ist mein Brett. Raus aus dem Wasser, den Handel mit Michael endgültig gemacht, Fotos geschossen, Brett festgezurrt und ab ging die Luzy. Naja, vielleicht nicht ganz so schnell, ihr kennt mich ja, aber irgendwann sind wir dann doch noch losgekommen. Auf dem Weg nach GDL ist dummerweise das Auto von Conny, einer Lehrerin und Abram, ihrem mexikanischen Freund, liegengeblieben, aber schon nach ner guten Stunde kam dann der Abschleppwagen und Felipe und ich haben die ganze Sache mit ner Riesenportion Humor angegangen. Heimwärts ging's dann im Auto auf dem Abschleppwagen. Erlebt man auch nicht alle Tage...
Erwähnt werden sollte noch der Sonntagmorgen, als wir das Glück hatten, einer "Freiheit für die Babyschildkröten"-Aktion beizuwohnen.
Von der örtlichen Regierung wird ein alter Mann bezahlt, die ganz nahe am Zeltplatz abgelegten Schildkröteneier so lange zu bewachen, bis sie geschlüpft sind, sprich er schläft sogar nachts in einer Hängematte neben den verbuddelten Eiern. Nachdem zwei der Mexikaner sich abends ein wenig mit ihm unterhalten hatten, sind wir morgens früh aufgestanden, um ihm dabei zuzuschauen, wie er die kleinen Krabbler aus ihren Schlaflöchern und manchmal auch noch aus ihren Eiern befreite. Wir durften sogar mit ihm in diesen abgesperrten Bereich, konnten Fotos machen, er unterhielt sich mit den beiden Mexikanern Felipe und Alejandra und am Schluss haben wir sie dann noch zum Meer gebracht, wo es dann endgütlig ab in die Freiheit ging. Ein paar waren leider schon tot, als sie aus dem Loch befreit wurden, aber ich schätze, so ist das eben mit dem ollen Darwin.
Von der örtlichen Regierung wird ein alter Mann bezahlt, die ganz nahe am Zeltplatz abgelegten Schildkröteneier so lange zu bewachen, bis sie geschlüpft sind, sprich er schläft sogar nachts in einer Hängematte neben den verbuddelten Eiern. Nachdem zwei der Mexikaner sich abends ein wenig mit ihm unterhalten hatten, sind wir morgens früh aufgestanden, um ihm dabei zuzuschauen, wie er die kleinen Krabbler aus ihren Schlaflöchern und manchmal auch noch aus ihren Eiern befreite. Wir durften sogar mit ihm in diesen abgesperrten Bereich, konnten Fotos machen, er unterhielt sich mit den beiden Mexikanern Felipe und Alejandra und am Schluss haben wir sie dann noch zum Meer gebracht, wo es dann endgütlig ab in die Freiheit ging. Ein paar waren leider schon tot, als sie aus dem Loch befreit wurden, aber ich schätze, so ist das eben mit dem ollen Darwin.Was soll ich sagen, es war einfach schön. Und es fühlte sich so gut an - man sieht es hier nicht so oft, dass etwas für die Umwelt getan wird. Wenn da dem Gutmenschen mal nicht... ach nö, ich überlass' den Zynismus anderen.
Alles in allem war es ein großartiges erstes Wochenende am Strand. Wollt ihr Meer sehen?
Freitag, 21. September 2007
Anreise aka Tour de Force
Diesen Montag, den 17. September 2007 ging mein Flug von Frankfurt über Atlanta nach Guadalajara. Typisch für mich, hatte ich bis 3 Uhr morgens gepackt und mich kurz aufs Ohr gelegt, um schon knapp 3 Stunden später wieder aufzustehen, mich von meiner Schwester Anna und meinem Bruder Flo (der übrigens extra für mich aufgestanden ist - was sagt man dazu!) zu verabschieden und mit meinen Eltern zum Flughafen zu fahren. An schlafen war nicht mehr zu denken, Aufregung und so, ne.
Da es über Atlanta gehen sollte, musste ich mich wohl oder übel mit den freundlichen Amiletten am Delta Airlines-Schalter rumschlagen. Weil mein Rückflugtermin 1 Tag über der 180-Tage-Grenze für Touristen in Mexiko lag, sollte ich meinen Flug für die werten Damen und Herren umbuchen. So viel Spass für nur 150 Euro. Naja egal, was kostet schon die Welt.
Leider war dann keine Zeit mehr, mit meinen Eltern zu frühstücken, weil die ganze Aktion doch etwas länger gedauert hat. Wirklich schade. Beim Abschied wurd's schwer und wir drei hatten alle Pipi in den Augen. Habe ich schon erwähnt, dass ich noch niemals zuvor ausserhalb Europas gewesen bin? Nun ja, ich musste wieder mal an ein Gespräch mit André denken, in dem wir uns darüber unterhielten, warum es den Menschen immer so schwer fällt, Abschied zu nehmen. Habt ihr eine gute Antwort? Posten!
Dann ging's ab in die Luft. Manche Leute mögen diesen Moment des Abhebens ja nicht, ich schon. Ich liebe diesen Schub und den Moment, in dem man glaubt, mit dem Hintern des Flugzeugs auf die Landebahn zu knallen. Einmal abgehoben, schaute ich mir noch ein wenig die letzten Landschaftsfetzen Deutschlands an, bevor ich mich kurz aufs Ohr haute. Als ich wieder aufwachte, waren wir gerade über der Westküste Irlands - sah schön aus!
Im Delta Airlines-Kino haben sie dann Ocean's Thirteen gezeigt, den ich eh mal sehen wollte. Bild und Sound waren so lala, und auch der Film hat mich nicht so richtig vom Hocker gerissen. Das Essen war in Ordnung, nur die Stewardessen gingen mir irgendwann ein wenig mit ihrer "How are you?"-Höflichkeit auf die Nerven. Auf der Bordtoilette hatten sie eine abgefahrene Seife: Zitronengras und Wasabi - mal besser nicht in die Augen schmieren... So viel zu den Details. Überflogen haben wir dann noch New Haven und New Jersey, Philadelphia habe ich aus der Entfernung gesehen, NY leider nicht (war zu weit weg) und Virginia kam zuletzt dran - hatte ich mir grüner festgestellt.13:50 Uhr Ortszeit, Ankunft in Atlanta, Georgia. "Georgia on my mind" von Ray Charles hatte ich komischerweise nicht im Ohr. Vier Stunden Aufenthalt in den USA hatte ich mir interessanter vorgestellt. Bin ich eigentlich nur am Nörgeln? Hoffe mal nicht. Unfreundlich-autoritär begrüsst, Fingerabdrücke gescannt, Verbrecherfoto gespeichert, Äpfel aus dem heimischen Garten, die als Gastgeschenk gedacht waren, wurden mir von einer ausnahmsweise äußerst reizenden und freundlichen Asiatin leider abgenommen und schon ging's ab ins Shoppingparadies Atlanta Airport. Eindrücke: unheimlich viele Flughafenmitarbeiter sind schwarz, das mit der Frisuren-und Kleiderordnung wird nicht ganz so ernst genommen, kommt's mir nur so vor, oder ist hier alles etwas grösser?
Die Leute kommen mir ein wenig fremd vor, normal scheint für mich nur eine Frau zu sein, die mit ihrem 1 Jahre alten Baby leidenschaftlich Tango tanzt. Um ein wenig unklimatisierte Luft zu schnappen, gehe ich auf den Parkplatz, wo viele fette Amikarren rumstehen - sogar eine Hummer-Limousine habe ich gesehen. Als Mittagessen gab's dann ein "Italian Vegetarian Panini" bei Atlanta Bread, was gar nicht mal so schlecht geschmackt hat, aber durch Jetlag und so kam's mir trotdem beim ersten Bissen fast hoch. Nach kurzem Nachfragen (eine lustige schwarze Airport-Angestellte antwortete mir auf meine Frage "Do I have to check-in again?" "Yes you do have to, baby...") und Einchecken begab ich mich direkten Weges zu meinem Gate. Im Flughafen warteten viele US-Soldaten der ISAF, alle marschbereit in Tarnkleidung und mit Laptops. Als ich dann schließlich zu den Abflugsgates ging, gab es einen Wartebereich, in dem bestimmt 300 der Kollegen warteten. Krasser Anblick.
Die Leute kommen mir ein wenig fremd vor, normal scheint für mich nur eine Frau zu sein, die mit ihrem 1 Jahre alten Baby leidenschaftlich Tango tanzt. Um ein wenig unklimatisierte Luft zu schnappen, gehe ich auf den Parkplatz, wo viele fette Amikarren rumstehen - sogar eine Hummer-Limousine habe ich gesehen. Als Mittagessen gab's dann ein "Italian Vegetarian Panini" bei Atlanta Bread, was gar nicht mal so schlecht geschmackt hat, aber durch Jetlag und so kam's mir trotdem beim ersten Bissen fast hoch. Nach kurzem Nachfragen (eine lustige schwarze Airport-Angestellte antwortete mir auf meine Frage "Do I have to check-in again?" "Yes you do have to, baby...") und Einchecken begab ich mich direkten Weges zu meinem Gate. Im Flughafen warteten viele US-Soldaten der ISAF, alle marschbereit in Tarnkleidung und mit Laptops. Als ich dann schließlich zu den Abflugsgates ging, gab es einen Wartebereich, in dem bestimmt 300 der Kollegen warteten. Krasser Anblick.Unser Flugzeug wurde kurz vor Start wegen "technischer Probleme" ausgetauscht, also vertrieb ich mir die anderthalb Stunden Wartezeit mit Schlaf in unorthopädischer Position. Im Flugzeug schlief ich dann einfach mal weiter und wachte gerade noch auf, um die Lichter Guadalajaras aus der Luft zu sehen. Einmal angekommen, war die Einreise sehr sehr unkompliziert. Ich bekam sofort ein Touristenvisum für 180 Tage ausgestellt und die Gepäckkontrolle wurde innerhalb von 30 Sekunden per Hand erledigt. Welch ein Unterschied!
Wie froh war ich, Mauricio und seine Freundin Yvonne zu erblicken, die dort trotz Verspätung auf mich warteten! Nachdem wir sie dann nach Hause gebracht hatten, fuhren wir zum Haus seiner Eltern, was in einer guten und recht ruhigen Gegend liegt, unterhielten uns noch kurz bei Milch und pastel de elote, einer Art Maiskuchen, und wenig später fiel ich auch schon ins Bett.
Before we get this party started...
Jut, Leute. Ich möchte euch in meinem Blog ein wenig über meine Erlebnisse, Eindrücke und Reisen hier in Mexiko erzählen, freue mich über nette Kommentare und hoffe, hiermit die Verbindung nach Hause nicht ganz abreissen zu lassen. Klickt euch rein in meine Berichte, schaut euch die Bilder an und habt Spass daran. Ich werde mich bemühen, regelmässig hier etwas reinzustellen und hoffe, euch gefällt's.
Alles frei nach dem Motto "100% organic" und wie Edgar Wibeau in den Neuen Leiden des Jungen W. so schön fordert: "Leute, seid ehrlich zu euch und zu den Leuten". 'Nuff said.
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