Montag, 24. Dezember 2007

Feliz Navidad - Frohe Weihnachten

Hallo ihr Lieben,

wünsche euch zu allererst Frohe Weihnachten, was man hier eigentlich erst morgen so richtig feiert. Die Sonne scheint weiterhin, man kann ohne Frösteln in kurzen Hosen und T-Shirt rumlaufen und Schnee gibt's logischerweise auch keinen. Gestern abend bin ich vom Strand (Maruata hieß der Ort) wiedergekommen. Es war sehr schön dort, ich habe die Tage mit Annabell, ihrem Freund Emanuel und Daniel verbracht. Unser treuer Gringo-Reisegefährte war sogar so nett, uns drei Stunden entgegen seines eigentlichen Ziels Barra de Navidad direkt zum Strand zu fahren, wo er dann auch nur eine Nacht mit uns geblieben ist. Die Tage dort waren sehr schön, wir haben uns gut amüsiert, geschwommen, gesonnt, Kartoffeln im Feuer, Guacamole und Kochbananen gemacht, Ananas gegessen und in der Hängematte gelegen. Wir haben auch Javier, einen sehr netten, jungen mexikanischen Papa aus GDL kennen gelernt, der uns netterweise mit zurück genommen hat.
Ich bin schließlich bei Zaira untergekommen, einer Mexikanerin, mit der ich letzten Sonntag auf der Via recreativa war. V.R. bedeutet, dass zwei große Straßen, die durch GDL laufen, gesperrt werden und Fußgänger, Radfahrer, Skater usw. darauf fahren dürfen. Ist ne wirklich schöne Sache. Netterweise darf ich bei ihr schlafen und habe sogar ein eigenes Zimmer mit Bett :)

Ich glaube, ich kann mit Sicherheit behaupten, Weihnachten noch nie so verbracht zu haben. Fühle mich schon ein wenig verloren oder eben nur zeitweise an einem Ort zu Hause. Heute abend werde ich zu Mauricio gehen und mit seiner Familie feiern. Mein Weihnachtsgeschenk an sie wird ein typisch deutsches Drei-Gänge-Menü sein, dass ich ihnen nach meiner Rückkehr kochen werde. Da ich seine Eltern nicht so gut kenne, aber weiß, dass sie gerne essen, wird ihnen dieses Geschenk bestimmt Freude machen. Am 25. Dezember wird hier dann wohl mehr gefeiert, ich werde zusammen mit Mau und seiner familia zu einer Tante gehen und ich bin einfach mal gespannt, was dort so das übliche Protokoll zu Weihnachten ist. Und bestimmt fühle ich mich dann ein wenig besser aufgehoben und zu Hause.

Sehr glücklich war ich, als ich vor einer Woche endlich die Bestätigung meines Semester an der hiesigen Uni, der Universidad de Guadalajara abgeholt habe und schwarz auf weiß in meinen Händen hielt. Alle meine Kurse, die ich mir zu Hause eher blind und nur nach Interesse ausgesucht habe, sind mir zugeteilt worden. Falls man sich noch umentscheiden oder andere Kurse belegen möchte, kann man als Austauschstudent ab dem Studienbeginn im Februar zwei Wochen lang class-hopping betreiben. Super!
Mit einer neuen Unterkunft hat sich noch nichts getan, aber ich habe vor, mir ab Februar eine casita, ein kleines Häuschen in der Nähe meiner Fakultät, der CUCSH (Centro Universitario de Ciencias Sociales y Humanas) mit América, Karla und Hugo, drei Mexikanern, zu teilen: Die drei sind super drauf und ich hoffe, dass sie laut eigenem Versprechen schon auf der Suche danach sind.

Silvester verbringe ich vielleicht in Mexiko City (México D.F.), eventuell begebe ich mich aber auch schon nach den Weihnachtsfeiertagen auf meine Surf- und Kultur-Tour Richtung Chiapas, dem ärmsten, südlichsten und wohl auch faszinierendsten mexikanischen Bundesstaat. Das hängt davon ab, ob ich in D.F. bei Javier und José, zwei Kumpels vom Zivildienst unterkommen kann und wohin es mich eher zieht.

Mit der Sprache klappt es mittlerweile ganz gut, immer besser, aber ich erhoffe mir doch mehr von den nächsten paar Monaten, da ich während meinem Praktikum am Colegio Alemán unter der Woche immer wieder Deutsch gesprochen habe und so kommt man natürlich nie richtig in die Sprache rein.

Unglaublich froh bin ich, bei meiner Vermieterin raus zu sein. Keine Details mehr, die gab's schon zur Genüge einen Post weiter südlich. Long story short: ich muss keine Miete für Januar zahlen, da ich ihr aber bei der Kündigung letzten Dienstag gesagt hatte, dass ich über die Weihnachtsfeiertage und Silvester bei Mauricio unterkommen würde, was nun leider doch nicht geht, hatte sie wohl schon alles verplant und ich musste regelrecht darum kämpfen, um noch eine Nacht in meinem (für den Rest des Monats bezahlten) Zimmer zu schlafen. Ich reg' mich schon wieder auf, schlecht fürs Herz, ich lass das mal lieber. Haarsträubenderweise erzählte sie mir auch, dass sie aufgrund der spontanen Kündigung keinen Zugriff auf meine Kaution hätte und erst ab 2. Januar darauf Zugriff hätte. Völliger Mumpitz, Mauricio und ich gehen davon aus, dass sie einfach schon ihr Budget für Dezember und Weihnachten verplant hat. Nun ja, rückblickend gesehen habe ich zu viel Geld für eine mehr oder wenigerbequeme, aber unschöne Wohnsituation bezahlt und habe mich zu oft geärgert. Das lass ich jetzt hinter mir und blicke frohen Mutes in meine vor mir liegende Zeit als Tourist und Austauschstudent.

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