Samstag, 6. Oktober 2007

Fin de semana en La Ticla, Michoacán

Letztes Wochenende, vom 28. bis 30. September durfte ich das erste Mal Pazifik-Luft schnuppern, große Premiere! Anlass war der Geburtstag von Sina, einer sehr netten Mitarbeiterin vom Colegio Alemán de Guadalajara, die einige Leute eingeladen hatte. Mitgekommen sind ein Teil ihres ehemaligen Triathlon-Teams aus Guadalajara, ein paar Lehrer der Schule plus jeweils bessere Hälfte, Judith, Katharina, zwei Praktikantinnen am Colegio Alemán, und ich waren auch mit dabei. Freitag direkt nach der Schule ging's direkt los zu ihrem alten Haus, wo wir nach Umpacken und Anstoßen erst mal ne Stunde auf die Kollegen vom Triathlon gewartet haben. Als wir gerade aufbrechen wollte, kamen sie endlich um die Ecke gebogen und starteten erst mal ein zünftiges Supersoaker-Drive-by, extra für Sina zum Geburtstag. Hachja, gute Freunde :)

Die Fahrt nach La Ticla, was im Bundesstaat Michoacán und knapp 4 Stunden von GDL entfernt liegt, war echt interessant: Die Gegend ist dank hinter uns liegender Regenzeit so richtig grün und wir fuhren durch Palmenfelder, Mango- und Bananenplantagen. Lustig, mal zu sehen, woher das ganze Flugobst herkommt. Bis auf 2 Militärkontrollen kurz vor Ankunft, die deutlich machen sollen, dass etwas gegen den Drogenhandel getan wird, lief alles wie am Schnürchen. Nach Einbruch der Dunkelheit kamen wir dann am Strand an, wo wir ohne viel Bürokratie unsere Zelte unter palapas, also Unterständen mit Palmdächern aufschlagen konnten. Zwei Typen der Triathlon-Crew fingen dann auch ziemlich bald an, die Party durch vollen Körpereinsatz zum Laufen zu bringen. Ein neues Spiel habe ich auch gelernt, und zwar "Eiswürfel-Passing", sprich: Ein Eiswürfel muss in der Runde herumgegeben werden - alles mit dem Mund. Das nenn ich doch mal ne Art, das Eis zu brechen!

Trotzdem war ich nicht so ganz in Partylaune und zog mich gegen Mitternacht in mein Luxusdomizil mit den Maßen 1,83 x 1,52 x 0,92 zurück. Und da drin sollen theoretisch zwei ausgewachsene Personen Platz finden? Na egal, Hauptsache am Meer! Nach einer kurzen und harten Nacht war der Anblick der Wellen am nächsten Morgen mehr als eine Entschädigung! Leider hatte ich kein Surfbrett dabei und so hab ich mich eben zu Daniel gesetzt, einem bulligen Texaner, der am Strand saß und seine surf buddies beim Rippen filmte. Wir unterhielten uns ganz nett, schauten den Wellen und seinen Kumpels zu. Ich erzählte ihm von meinem Sommer im Wellenreiter-Camp, meinem Praktikum an der Deutschen Schule und er erzählte mir, dass sie schon seit 30 Jahren nach La Ticla fahren und dort früher auch schon mal Leute umgebracht wurden. Wie war das noch mit "Früher war alles besser"...? Als der Surf ein wenig "schlechter" wurde, kamen seine Kumpels aus dem Wasser und einer von ihnen, Michael, meinte, er hätte noch ein 7'2er Brett im Dorf, das dort seit drei Jahren liegt, weil er keine Lust hatte, nochmal 100 Dollar für den Flugtransport zu zahlen. Obwohl er anfangs nicht so wirkte, als ob er wirklich Bock hätte, es zu verkaufen, ging er dann doch noch ins Dorf und Daniel der Kameramann meinte zu mir am Abreisetag, ich sollte noch mal vorbeischauen, bevor ich fahre.

Gesagt, getan. Das Brett war echt gut erhalten, der Blank vielleicht nicht mehr ganz blütenweiß, ein paar kleinere Dellen sind drin, aber ansonsten top. Die Planke ist schön dick laminiert, nach 3 Jahren richtig gut ausgehärtet und sie hat Volumen, am dicksten Punkt vielleicht 2 5/8 Inch. Wie ihr nebenan sehen könnt, ist Michael, der Texaner nicht gerade der Typ Marathonläufer. Trotzdem funktioniert das Brett echt gut. Durch die Dicke lässt es sich gut paddeln und es gleitet schön früh an. Bei grossen Bedingen habe ich's noch nicht gefahren, aber bis ich mich in irgendwas über 2 Meter reintraue, vergeht wohl noch etwas Zeit. Obwohl, mal sehen...
Von Sina konnte ich mir dann zum Glück noch Geld leihen und nach einer kurzen Probefahrt, wenn auch nur im Weißwasser, wusste ich: Das ist mein Brett. Raus aus dem Wasser, den Handel mit Michael endgültig gemacht, Fotos geschossen, Brett festgezurrt und ab ging die Luzy. Naja, vielleicht nicht ganz so schnell, ihr kennt mich ja, aber irgendwann sind wir dann doch noch losgekommen. Auf dem Weg nach GDL ist dummerweise das Auto von Conny, einer Lehrerin und Abram, ihrem mexikanischen Freund, liegengeblieben, aber schon nach ner guten Stunde kam dann der Abschleppwagen und Felipe und ich haben die ganze Sache mit ner Riesenportion Humor angegangen. Heimwärts ging's dann im Auto auf dem Abschleppwagen. Erlebt man auch nicht alle Tage...

Erwähnt werden sollte noch der Sonntagmorgen, als wir das Glück hatten, einer "Freiheit für die Babyschildkröten"-Aktion beizuwohnen. Von der örtlichen Regierung wird ein alter Mann bezahlt, die ganz nahe am Zeltplatz abgelegten Schildkröteneier so lange zu bewachen, bis sie geschlüpft sind, sprich er schläft sogar nachts in einer Hängematte neben den verbuddelten Eiern. Nachdem zwei der Mexikaner sich abends ein wenig mit ihm unterhalten hatten, sind wir morgens früh aufgestanden, um ihm dabei zuzuschauen, wie er die kleinen Krabbler aus ihren Schlaflöchern und manchmal auch noch aus ihren Eiern befreite. Wir durften sogar mit ihm in diesen abgesperrten Bereich, konnten Fotos machen, er unterhielt sich mit den beiden Mexikanern Felipe und Alejandra und am Schluss haben wir sie dann noch zum Meer gebracht, wo es dann endgütlig ab in die Freiheit ging. Ein paar waren leider schon tot, als sie aus dem Loch befreit wurden, aber ich schätze, so ist das eben mit dem ollen Darwin.

Was soll ich sagen, es war einfach schön. Und es fühlte sich so gut an - man sieht es hier nicht so oft, dass etwas für die Umwelt getan wird. Wenn da dem Gutmenschen mal nicht... ach nö, ich überlass' den Zynismus anderen.

Alles in allem war es ein großartiges erstes Wochenende am Strand. Wollt ihr Meer sehen?

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