Ich muss mir mal eben den Frust von der Seele schreiben. Wenn ihr keine Lust auf solche Mieter-Vermietergeschichten habt, dann lest einfach was sinnvolles. Zeitung oder so.
Wie ihr wisst, wohne ich in seiner so genannten "casa de asistencia" (siehe auch weiter unten "Die ersten Tage"), sprich ich wohne mit der Vermieterin, ihrem Sohn und einem weiteren Studenten zusammen. Für 4800 Pesos im Monat, was ca. 310 Euro entspricht, macht sie unser Zimmer sauber, wäscht und bügelt unsere Wäsche, kocht uns ein Mittagessen, bei Bedarf auch Abendessen und stellt uns Frühstück bereit. So wollte ich es, so habe ich es bisher bekommen.
Gleich in der zweiten Woche bin ich schon mit ihr aneinander geraten, da ich für den 3. Oktober (Tag der deutschen Einheit) Badische Apfelküchle machen wollte, um sie für das gemeinsame Frühstück, das deutsche Lehrer organisieren, in die Schule mitzubringen. Da sie an dem Tag eh einkaufen gegangen ist und ich mal eben 'ne gute Woche in Mexiko war, hab ich sie gebeten, mir ein paar Sachen mitzubringen.
Schon als sie mit den Einkäufen nach Hause kam, hat sie sofort nach dem Geld für die Zutaten gefragt und war schon eine ganze Ecke steifer. Später, als ich dann anfing, die Apfelringe mit dem Teig in Fett auszubacken, kam sie zur Tür herein und das Theater fing an.
Sie redete etwas von einem "palo más alto", den ich mir verdient hätte (sprich eine Tracht Prügel, wenn ich das richtig verstanden habe), und dass ich von nun an nie mehr etwas in ihrer Küche machen dürfte, was ich woanders hin mitnehmen würde.
Ihr kennt mich vielleicht ein wenig und wisst, wie gerne ich koche und wie akribisch ich beim Saubermachen sein kann. Genau so habe ich auch ihre Küche wieder hinterlassen, blitzeblank, so wie vorher, wenn nicht noch strahlender. War ihr das genug? Nein! Sie meckerte in einer Tour weiter, beschwerte sich, jammerte mir die Ohren voll und wollte noch nicht einmal mehr etwas von den Küchle probieren. Gut, ich muss zugeben, ich habe ihre Küche, die wirklich klein ist, für drei Stunden, bis Halb Elf Uhr nachts in Beschlag gehalten, aber sie konnte das Sandwich, was sie für den anderen Studenten normalerweise hinstellt, ohne Probleme schmieren. Es war vielleicht ein wenig eng für 5 Minuten, aber das war's dann auch schon.
Sie hört einfach nicht auf, mich zuzutexten, so dass es mir dann irgendwann gereicht hat und ich mich nach kurzer Ankündigung (ya me voy) in mein Zimmer verzogen habe.
Am nächsten Tag haben wir uns "ausgesprochen", sprich sie hat das getan, was sie am besten kann: Darüber zu reden, was die anderen Hauswirtinnen alles nicht machen und sie besser, zu reden, zu reden und noch ein bisschen mehr zu reden. Sie erklärte, dass sie nicht an Männer in der Küche gewöhnt sei und ein seltsames Gefühl gehabt hätte. In der Tat ist ihr Sohn in der Nacht in seiner Wohnung zusammengebrochen und konnte irgendwie die Nachbarn verständigen, die ihn dann ins Krankenhaus gefahren haben. Das ist heftig, keine Frage. Ob's stimmt, eine andere.
Nach einer Stunde hatte ich ihr meine Sicht der Dinge geschildert, kurz mit Auszug gedroht und hatte für mich entschieden, dass ich auf keinen Fall mehr einen Fuß in ihre Küche setzen würde um dort etwas zu kochen, geschweige denn etwas für sie. Schade.
Fortsetzung des ganzen Ärgernisses
Señora Sonia kommt jeden Tag in unsere Zimmer, leert die Mülleimer, nimmt die dreckige Wäsche mit und saugt die Zimmer, wenn's nötig sein sollte. Bisher hatte ich immer meine Flip-Flops (=Hausschuhe) und manchmal auch ein paar Turnschuhe draußen stehen lassen, die von ihr konsequent in den Wandschrank in meinem Zimmer geräumt wurden, in dem ich alle meine Kleider und Taschen/Koffer verstaue. Das ging mir schon länger auf dem Keks, jedes Mal den Kleiderschrank zu öffnen, um an meine Latschen zu kommen. Ja, natürlich könnte ich das einfach so hinnehmen, aber man hat eben so seine Gewohntheiten und ein Mindestmaß an "Chaos" gehört einfach in ein Studentenzimmer wie klingelnde Handys ins Kino. Wenn es mal nicht klingen sollte, nimmt man es vielleicht angenehm zur Kenntnis, falls doch, regt man sich halt kurz auf und fertig. Vielleicht nicht der beste Vergleich, aber ihr versteht schon.
Keine Lust, wieder mein geliebtes Schuhwerk aus dem Dunkel des Kleiderkerkers zu befreien, habe ich ihr also heute morgen eine kurze Nachricht geschrieben: "Liebe Frau Sonia, bitte lassen sie meine Schuhe draußen stehen. Vielen Dank!" Das Resultat war phantastisch. Als ich heim kam, standen meine Schuhe an exakt dem Platz, an dem ich sie am morgen zurückgelassen hatte. Es verwirrte mich jedoch ein wenig, dass der Zettel immer noch dort war. Kurz nachdem ich nach Hause gekommen war, hielt sie mir dann wieder mal einen Vortrag, in dessen Verlauf sie sich ein wenig in Rage redete und mich fragte, ob sie sich wohl auch verpflichtet fühlt, eine Mutterrolle einnehmen zu müssen. Sie redete darüber, dass sie mir ja erlauben würde, mein Fahrrad, Surfboard und Longboard (skateboard) in meinem Zimmer aufzubewahren, sie keine muchacha, also ein Zimmermädchen oder Haushaltshilfe einstellen würde, sondern alles selbst machen würde und ihr das die Arbeit nicht gerade erleichtern würde. Stimmt, und ich bin ihr sehr dankbar dafür, dass ich meine Sachen in meinem angemieteten 10 Quadratmetern unterbringen kann und nicht gezwungen bin, diese Dinge auf dem Hausdach zu lagern, wo sich jeder selbst bedienen kann. Wirklich, ein feiner Zug von ihr, sehr großzügig.
Sie hielt mir vor, dass ich bisher zwei Gläser zerbrochen habe, leichte, nie mehr zu entfernende Streifen an die Wand unter meinem an die Wand gequetschten Minischreibtisch gemacht hätte und ihren 10-Euro-Klappstuhl, mit dem ich meine Wirbelsäule malträtiere, ebenfalls ein wenig in Mitleidenschaft gezogen hätte. Stimmt, ist mir alles passiert, tut mir auch leid, es geschah aus purem Zufall und ohne böse Hintergedanken. Was bitte kann ich dafür, wenn eine angerostete Strebe dieses hochwertigen chinesischen Qualitätsproduktes unter leichtem Druck nachgibt? Und ja, ich weiß, dass man keine Obstreste im Mülleimer zurücklässt, da es kleine hungrige Tierchen anzieht, kommt nicht mehr vor.
Aber dafür zahle ich Miete, und für mexikanische Verhältnisse nicht zu wenig. Man sollte meinen, für das bisschen Schwund sollte das Geld ausreichen. Ich hab mich während dem ganzen Gespräch gefragt, dass es eigentlich nicht sein kann, dass ich solche elternhaften Vorträge gehalten bekomme, wenn ich einfach nur ein Zimmer mit den angeführten Leistunden haben möchte und ich ihr damit teilweise den Lebensunterhalt finanziere - sie geht nämlich keiner anderen beschäftigung nach.
Damit nicht genug. Ich denke, die ganze Angelegenheit beruhte auf unserer unterschiedichen Auffassung von individueller Freiheit beziehungsweise der Vorstellung, wie ein Zimmer auszusehen hat, egal, ob jemand darin wohnt oder nicht.
Vor zwei Wochen hat sie den Fernseher in meinem Zimmer mit dem ihres Sohnes getauscht, weil der seine den Geist aufgegeben hat. Komisch, er war doch erst ein paar Jahre alt und lief nur den halben Tag. Das kam mir gerade recht, wenn auch etwas unvermutet und überraschend, aber eigentlich war ich froh, dass ich nicht mehr die Flimmerkiste in meinem Zimmer stehen hatte. Den in den 3 Wochen hatte ich meine Nachmittage und Abende mit den Kollegen von Scrubs, The Office oder Reno 911 verbracht. Keine schlechten Serien, aber es gibt doch interessantere Dinge in Mexiko, als sich den ganzen Nachmittag vor die Glotze zu hocken. Zum Beispiel, sich mit der eigenen Vermieterin rumzuplagen und danach einen mittellangen Kommentar darüber zu schreiben. Irgendwie muss der Ärger ja raus.
Am nächsten Tag stellten sie mir aber keinen anderen Fernseher ins Zimmer, sondern den kaputten von ihrem Sohn. Da ich keine Lust habe, Elektronikschrott in meinem Zimmer rumstehen zu haben, habe ich ihn eben in meinen Kleiderschrank geräumt, wo er sicher steht. Natürlich erst, nachdem sie meinte, dass sie leider keinen anderen Platz dafür hätte. Also gut, dann ab in den Schrank. Aus den Augen, aus dem Sinn.
Wie schon gesagt, wie immer hing mal alles an unterschiedlichen Ansichten zu einem bestimmten Thema. Sie machte mir über mehrere Minuten in entsprechend intensivem Ton deutlich, dass Fernseher, egal ob kaputt oder nicht, und Schuhe einen gewissen Platz hätten, denn wenn die Schuhe nicht an ihrem zugewiesenen Ort ständen, würde sie nicht saubermachen. Ich war kurz versucht, die Schuhe tatsächlich dort stehen zu lassen und auf ihre Reaktion am nächsten Tag zu warten, hab's dann aber dann doch gelassen, dem lieben Frieden wegen.
Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, und ich werde mich bald mithilfe von Mauricio in die Verhandlungen um meine Kaution und den Monat Januar begeben, da ich die ganzen vier Wochen nicht in Guadalajara sein werde, sondern mich Richtung Chiapas aufmache und nicht vorhabe, ihr dafür Miete zu zahlen. Oh mann. Wenn das alles ausgestanden ist und ich meine Kohle in der Hand habe, werde ich ihr mal klar und deutlich sagen, was ich von diesem Irrenhaus wirklich halte.
Und die Moral von der Geschicht': Wohnung bei Señora Sonia lohnt sich nicht.
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2 Kommentare:
Klare Sache: Ausziehen.
Meine Vermieterin in Spanien war ein Traum aber meine Wohnungkollegin war der Antichrist. Da musst du raus oder du hast keinen Bock mehr nach Hause zu kommen und das ist ja immerhin dein "Shelter", um es mal mit den Worten von Pink zu sagen.
Ausserdem ist deine Miete echt zu hoch. Die bezahlt ihrem Sohn damit bestimmt ne neue Playstation oder so nem Mist.
Ja Mann,
raus mit dir - sowas kann einem echt die Tage ruinieren...
Und so Leute lassen sich nicht mehr ändern...
Dir ein frohes Fest, guten Rutsch und entspanntes Reisen... Genieß die Zeit
Cheers und bis die Tage
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