Freitag, 21. September 2007

Anreise aka Tour de Force

Diesen Montag, den 17. September 2007 ging mein Flug von Frankfurt über Atlanta nach Guadalajara. Typisch für mich, hatte ich bis 3 Uhr morgens gepackt und mich kurz aufs Ohr gelegt, um schon knapp 3 Stunden später wieder aufzustehen, mich von meiner Schwester Anna und meinem Bruder Flo (der übrigens extra für mich aufgestanden ist - was sagt man dazu!) zu verabschieden und mit meinen Eltern zum Flughafen zu fahren. An schlafen war nicht mehr zu denken, Aufregung und so, ne.

Da es über Atlanta gehen sollte, musste ich mich wohl oder übel mit den freundlichen Amiletten am Delta Airlines-Schalter rumschlagen. Weil mein Rückflugtermin 1 Tag über der 180-Tage-Grenze für Touristen in Mexiko lag, sollte ich meinen Flug für die werten Damen und Herren umbuchen. So viel Spass für nur 150 Euro. Naja egal, was kostet schon die Welt.

Leider war dann keine Zeit mehr, mit meinen Eltern zu frühstücken, weil die ganze Aktion doch etwas länger gedauert hat. Wirklich schade. Beim Abschied wurd's schwer und wir drei hatten alle Pipi in den Augen. Habe ich schon erwähnt, dass ich noch niemals zuvor ausserhalb Europas gewesen bin? Nun ja, ich musste wieder mal an ein Gespräch mit André denken, in dem wir uns darüber unterhielten, warum es den Menschen immer so schwer fällt, Abschied zu nehmen. Habt ihr eine gute Antwort? Posten!

Dann ging's ab in die Luft. Manche Leute mögen diesen Moment des Abhebens ja nicht, ich schon. Ich liebe diesen Schub und den Moment, in dem man glaubt, mit dem Hintern des Flugzeugs auf die Landebahn zu knallen. Einmal abgehoben, schaute ich mir noch ein wenig die letzten Landschaftsfetzen Deutschlands an, bevor ich mich kurz aufs Ohr haute. Als ich wieder aufwachte, waren wir gerade über der Westküste Irlands - sah schön aus! Im Delta Airlines-Kino haben sie dann Ocean's Thirteen gezeigt, den ich eh mal sehen wollte. Bild und Sound waren so lala, und auch der Film hat mich nicht so richtig vom Hocker gerissen. Das Essen war in Ordnung, nur die Stewardessen gingen mir irgendwann ein wenig mit ihrer "How are you?"-Höflichkeit auf die Nerven. Auf der Bordtoilette hatten sie eine abgefahrene Seife: Zitronengras und Wasabi - mal besser nicht in die Augen schmieren... So viel zu den Details. Überflogen haben wir dann noch New Haven und New Jersey, Philadelphia habe ich aus der Entfernung gesehen, NY leider nicht (war zu weit weg) und Virginia kam zuletzt dran - hatte ich mir grüner festgestellt.

13:50 Uhr Ortszeit, Ankunft in Atlanta, Georgia. "Georgia on my mind" von Ray Charles hatte ich komischerweise nicht im Ohr. Vier Stunden Aufenthalt in den USA hatte ich mir interessanter vorgestellt. Bin ich eigentlich nur am Nörgeln? Hoffe mal nicht. Unfreundlich-autoritär begrüsst, Fingerabdrücke gescannt, Verbrecherfoto gespeichert, Äpfel aus dem heimischen Garten, die als Gastgeschenk gedacht waren, wurden mir von einer ausnahmsweise äußerst reizenden und freundlichen Asiatin leider abgenommen und schon ging's ab ins Shoppingparadies Atlanta Airport. Eindrücke: unheimlich viele Flughafenmitarbeiter sind schwarz, das mit der Frisuren-und Kleiderordnung wird nicht ganz so ernst genommen, kommt's mir nur so vor, oder ist hier alles etwas grösser? Die Leute kommen mir ein wenig fremd vor, normal scheint für mich nur eine Frau zu sein, die mit ihrem 1 Jahre alten Baby leidenschaftlich Tango tanzt. Um ein wenig unklimatisierte Luft zu schnappen, gehe ich auf den Parkplatz, wo viele fette Amikarren rumstehen - sogar eine Hummer-Limousine habe ich gesehen. Als Mittagessen gab's dann ein "Italian Vegetarian Panini" bei Atlanta Bread, was gar nicht mal so schlecht geschmackt hat, aber durch Jetlag und so kam's mir trotdem beim ersten Bissen fast hoch. Nach kurzem Nachfragen (eine lustige schwarze Airport-Angestellte antwortete mir auf meine Frage "Do I have to check-in again?" "Yes you do have to, baby...") und Einchecken begab ich mich direkten Weges zu meinem Gate. Im Flughafen warteten viele US-Soldaten der ISAF, alle marschbereit in Tarnkleidung und mit Laptops. Als ich dann schließlich zu den Abflugsgates ging, gab es einen Wartebereich, in dem bestimmt 300 der Kollegen warteten. Krasser Anblick.

Unser Flugzeug wurde kurz vor Start wegen "technischer Probleme" ausgetauscht, also vertrieb ich mir die anderthalb Stunden Wartezeit mit Schlaf in unorthopädischer Position. Im Flugzeug schlief ich dann einfach mal weiter und wachte gerade noch auf, um die Lichter Guadalajaras aus der Luft zu sehen. Einmal angekommen, war die Einreise sehr sehr unkompliziert. Ich bekam sofort ein Touristenvisum für 180 Tage ausgestellt und die Gepäckkontrolle wurde innerhalb von 30 Sekunden per Hand erledigt. Welch ein Unterschied!

Wie froh war ich, Mauricio und seine Freundin Yvonne zu erblicken, die dort trotz Verspätung auf mich warteten! Nachdem wir sie dann nach Hause gebracht hatten, fuhren wir zum Haus seiner Eltern, was in einer guten und recht ruhigen Gegend liegt, unterhielten uns noch kurz bei Milch und pastel de elote, einer Art Maiskuchen, und wenig später fiel ich auch schon ins Bett.

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