Sonntag, 20. Juli 2008

Auf'm Sprung nach Kuba...

Bin gerade in Playa del Carmen auf der Yucatán-Halbinsel, wo das Wasser genau so türkis wie im Reisebericht ist. Unglaublich, aber wahr!
Über Puerto Escondido (Sturmwellen, schnell, kräftig, und teilweise tuby) sind Fabian, Coi und ich nach San Cristobal de las Casas gereist (Tzotzil-Indígena-Mädels haben mir ihre Sprache und ich ihnen Deutsch beigebracht, wir haben ne Art Mühle gespielt, ich ihnen 10 Gürtel abgekauft und ne Runde Eis spendiert; Wir drei von der Tankstelle sind mit nem Speedboar voller Touristen durch den Cañon del Sumidero gedüst...), wo sich unsere Wege getrennt haben. Die beiden sind nach Guatemala aufgebrochen, ich habe mich in den Bus nach Mérida gesetzt (Hut und Hängematte gekauft), um mich mit Rose und Karoline zu treffen und mir dort ordentlich einen abzuschwitzen. Nach einem kurzen, sehr heissen Zwischenstopp in Chichen Itzá (Tote Steine und halbkomatöse Touristen fotografiert) habe ich ein paar sehr schöne Tage am Karibikstrand von Tulum verbracht, nicht die Ruinen besichtigt - oh mein Gott, wie kannst du nur! - und treibe mich jetzt in diesem ehemaligen Fischerdorf rum, das heutzutage einige Einkaufszentren sein Eigen nennt und nen Cartier-Store hat. Schöines Ding.

Morgen geht's ab auf die Insel der sozialistischen Revolution - Alter, bin ich aufgeregt! Fabi ist leider ein wenig reisemüde und kehrt bald nach Deutschland zurück. Ist ok, ich kann's verstehen und vielleicht finde ich ja noch einen neuen Reisepartner.

Auch ich habe grosse Lust, zurückzukehren und am 14. August wird's dann soweit sein: Ich werde den Flieger in Mexiko-Stadt betreten, einen Zwischenstopp in Toronto einlegen und am 15. August früh morgens um 7 Uhr deutschen Boden betreten. Das Jahr ist schnell, aber dann auch wieder nicht schnell vergangen, ich habe so viel gesehen und will es auf keinen Fall missen. Trotzden freue ich mich schon sehr auf meine Rückkehr, den deutschen Sommer, Freibäder, Biergärten, Gartenzwerge, Kehrwoche, Laugenbretzeln...

Auf jeden Fall werde ich dann ENDLICH ENDLICH ENDLICH meine Favoriten von Weihnachten bis jetzt hochladen, also: mal vorbeichecken!

Hasta luego, compadres, nos vemos! - Bis bald, Kollegen, wir seh'n uns!

Freitag, 4. Juli 2008

Dos güeros con sombreros (Zwei Blondies mit Hut)

It's been a while - Hace mucho tiempo - Schon was länger her...
...Und ich überspringe jetzt einfach mal ein paar Monate. Die Fotos dazu werde ich wohl erst nach meiner Rückkehr hochladen...
Aber mir geht's noch gut: Das Semester ist seit drei Wochen vorüber und seit 1. Juli sind Fabian und ich unterwegs. Nach sehr schönen Tagen am Strand in Maruata mit den ehemaligen Mitbewohnern, meiner Freundin Susana, einem tollen letzten Tag allein in La Ticla, komplett mit genialer Surf-Session und einem der schönsten Sonnenuntergänge in Mexiko, einem tränenreichen Abschied vor allem von Susana, die für ein Jahr nach Australien geht, und von Santiago, meinem uruguayischen Mitbewohner, sind wir in den Nachtbus nach Mexiko-Stadt gestiegen und haben die Mega-Stadt zwei Tage lang erkundet.
Dort haben wir Coi aus Würzburg und Rose aus Berlin wiedergetroffen, mit denen ich in Guadalajara studiert habe - was für ein freudiges Wiedersehen!

Seit gestern sind wir in Oaxaca-Stadt. Hier regnet es zur Zeit jeden Tag, aber das liegt wohl an einer tropischen Front, die wir gerade abbekommen. Die nächsten zwei Tage bleiben wir noch in Oaxaca, dann geht's entweder direkt nach San Cristobal de las Casas in Chiapas oder erstmal an die wunderschönen Strände Oaxacas. Mal seh'n.

Fotos hochladen konnte ich leider gerade nicht, aber das krieg' ich hoffentlich bald hin. Grüsse in den deutschen Juli!

Dienstag, 6. Mai 2008

Ebbes Neus' - mehr oder weniger

Liebe Leute, mit meinen Reiseberichten bin ich immer noch nicht nachgekommen und werde ich wohl auch nicht mehr. Dafür werde ich versuchen, ein paar der vielen Fotos auszuwählen, welche die vergangenen Monate adäquat beschreiben sollen, um euch nicht ganz im dunkeln zu lassen, was meinen Aufenthalt hier in Mexiko angeht.
Desweiteren empfehle ich euch noch wärmstens den Blog von Yoani Sánchez, kürzlich vom TIME Magazine auf Platz 31 der 100 einflussreichsten Personen des Jahres 2008 gewählt.
Von Kuba aus stellt sie ihre Beobachtungen über das Leben auf der sozialistischen Insel vom alten Fidel ins Netz, auf Spanisch, Englisch und Deutsch.
Sehr empfehlenswert, genauso wie die restlichen meiner Links, die ihr auf der rechten Seite des Blogs findet.

Gehabt euch wohl, viele Grüße in die Welt und in die Heimat!

Donnerstag, 27. März 2008

Saludos desde Chiapas

Leude, isch bin glücklisch. Seit zwei Tagen bin ich nun hier in Chiapas und fühle mich pudelwohl. Letzte Woche Montag bin ich mit Karla, einer mexikanischen Mitbewohnerin aus Guadalajara aufgebrochen, um Oaxaca und Chiapas zu erkunden. Zwischenstops haben wir eingelegt in Mexiko-Stadt, um bei Jan vorbeizuschauen, und in Cholula, eine Stadt mit 365(!) Kirchen in der Nähe von Puebla. Dort haben wir die vom Volumen her grösste Pyramide der Welt besichtigt, die skurrilerweise eher einem riesigen, von Gras bewachsenem Hügel ähnelt und auf den die Spanier bei ihrer Ankunft erst mal ne Kirche oben drauf gesetzt haben. Als vernünftige conquistadores gehört sich das ja so.
Fünf Tage haben wir in Oaxaca verbracht, glücklicherweise sind wir nicht nach Puerto Escondido gefahren und vorgestern kamen wir nach einer 12-Stunden-Übernacht-Busfahrt hier in San Cristobal de las Casas in Chiapas an.
Ungewohnt kühl war es, als wir ein wenig zerknittert gegen halb neun Uhr morgens aus dem Bus stiegen. Unser Gepäck kurz im Hotel abgelegt, machten wir uns in Richtung Markt auf, überwältigt von den Unterschieden zu Oaxaca-Stadt. Hier gibt es viel mehr indígenas, die nochmal kleiner und dunkelhäutiger als jene in Oaxaca sind. Offensichtlich herrscht mehr Armut, die Menschen scheinen viel ernster und Touristen nicht ganz so offen zu begegnen wie im restlichen Mexiko. Fast scheint es so, als dürfte man nur hier sein, weil einen die indígenas dulden. Man merkt, dass dies ihr Land ist, dass sie schon seit Jahrtausenden beackern und bewohnen, Eroberung durch die Spanier hin oder her. Die Berge ringsherum erinnern mich an Heidelberg, grün, saftig und beruhigend.
Morgen stehen Palenque auf dem Plan, Maya-Ruinen im Dschungel von Chiapas, die Wasserfälle von Agua Azul und noch vieles mehr.
Ich fühle mich sehr privilegiert, hier sein zu dürfen und werde versuchen, euch meine Eindrücke nach meiner Rückkehr nächsten Montag zu schildern, ein bisschen mehr von meiner kleinen Michoacán-Tour im Januar zu schreiben und vor allem ein paar der vielen Fotos hochladen, die ich während der letzten drei Monate gemacht habe.
Macht et jut!

Montag, 21. Januar 2008

News aus La Ticla

Seit letzten Mittwoch bin ich jetzt hier in La Ticla, habe Kokosnuesse von der Palme geerntet, getrunken und gegessen, zusammen mit gringos aus Colorado und mexicanos aus Guadalajara gekocht, abgehangen und manchmal auch gesurft. Das Wetter ist super, nicht zu heiss und mittlerweile habe ich mich auch an den unterschiedlichen, sprich viel langsameren Lebens-Rhythmus in diesem netten touristischen pueblo gewoehnt.
Die Idee war, hier an den Strand zu kommen, auszuspannen, zu surfen und meine Erkaeltung endlich loszuwerden. Das mit dem Ausspannen klappt schon ganz gut, die Erkaeltung ist aber zurueck gekommen und die Wellen sind einfach einen Tacken zu gross fuer mich.
Gestern hatte ich einen wunderschoenen sunset surf mit spassigen Wellen, und sogar ne schoene Rechte konnte ich fahren, aber so klein wird es wohl sehr bald nicht mehr.
So schoen es auch hier ist, werde ich wohl morgen oder uebermorgen Richtung Nexpa aufbrechen, da ich dort auf generell kleinere Wellen hoffe. Es ist eben ein wenig frustrierend, all die guten Surfer im Wasser zu sehen und zu wissen, dass die Bedingungen ueber mein Koennen gehen. Jetzt hoffe ich also, dass die Wellenvorhersage fuer Nexpa stimmt und ich dort besser zurecht komme.

Cambio de planes: In ein paar Stunden werde ich mit nem netten gringo-Pärchen Richtung Maruata aufbrechen, wo die Wellen definitiv anfängerfreundlicher sind. In ein paar Tagen geht es dann wohl ein weiteres Stückchen weiter südlich Richtung Nexpa und später eventuell nach La Saladita, wo auch nette Anfängerwellen warten sollen.

Gestern hatte ich auf einmal superstarke Kopfschmerzen, die nach einer Aspirin, ein wenig Wasser und viel Schlaf wieder verschwanden. Ich hoffe natürlich, dass ich kein Dengue-Fieber habe, aber dazu fehlen mir noch das Fieber und starke Gliederschmerzen. Keeping fingers crossed!
Viel ins Wasser bin ich nicht bekommen, also war ich körperlich nicht ausgelastet und meine Gedanken schwirren in alle Richtungen, ich denke viel nach, mehr als sonst, vielleicht zu viel. Man wird sehen, wohin mich diese Reise führt. Es ist gar nicht so schlecht, alleine zu reisen.

Dienstag, 15. Januar 2008

Aus dem Staub...

...mach ich mich jetzt endlich. Am 2. Januar bin ich von ein paar sehr schönen Tagen in México D.F. wiedergekommen, die ich mit Daniel, Javier und seiner Familie verbracht habe, aber bin dann durch eine fiese Erkältung und einen schlimmen Zwischenfall in der Familie von Zaira zurückgehalten worden bzw. habe mich entschieden, noch eine Weile in Guadalajara zu bleiben.

Bis Ende Januar werde ich die Pazifikküste Mexikos bereisen, surfen, meine Erkältung auskurieren, mich in die Hängematte legen, die Seele baumeln lassen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Nach Chiapas geht es vorerst nicht, aber das steht für März auf dem Plan.
Ich melde mich, bis dahin: Bleibt mir gewogen,

euer Oli

Sonntag, 13. Januar 2008

Día de los muertos – der Tag der Toten 1.-4. November 2007

Die Fotos liegen ja schon vor, jetzt noch ein paar Zeilen zum beeindruckendsten, was ich bisher in Mexiko erlebt habe.
Donnerstags sind wir, die alte Reisegruppe, also Annabell, Emanuel, Jan, Daniel und ich direkt nach Schulschluss um Zwei über die cuota, die Bezahlautobahn (die so teuer ist, dass sie eigentlich nur von Erste-Klasse-Bussen, Touristen und reicheren Mexikanern genutzt wird) Richtung Morelia gestartet, um dort das verlängerte Wochenende zu verbringen und die faszinierenden Traditionen der Mexikaner am Tag der Toten mitzuerleben.
Die Fahrt in unserem „großen fetten amerikanischen SUV“ (Daniel), das uns ein guter Freund Daniels ausgeliehen hatte, war bis auf ein paar tote Hunde am Straßenrand – leider nichts Ungewöhnliches hier – sehr angenehm, dank spitzen Gesellschaft und guter Musik. Schnell und unkompliziert waren wir gut 4 Stunden später an unserem Hotel im Zentrum angekommen, wo wir Jungspunde uns ein 4-Bett-Zimmer für 400 Pesos die Nacht teilten und Daniel in ein Einzelzimmer ausgelagert wurde. Das Hotel Fénix hat laut englischem lonely planet „saggy beds“ und dunkle Zimmer, aber wir vier waren sehr zufrieden und haben gut geschlafen. Wie vieles sehr einfach und renovierungsbedürftig, aber gut. Die halbe Stunde, die wir uns noch ausruhen wollten, konnte ich meine Augen einfach nicht schließen, der schieren Vorfreude wegen. Als wir dann in Tzintzuntzán ankamen, war’s schon deutlich kälter als noch in Morelia, und eingewickelt in all unsere warmen Sachen stürzten wir uns in die Menge, die vor allem aus Mexikanern, ein paar Gringos und Europäern wie uns bestand. Für die Statistik: Insgesamt besuchen diese Region während der Tage um den 2. November ca. 1-2 Millionen Leute.
Alle paar Meter wurden Tacos, Hamburger, Hot Dogs, Pozole (sehr traditionelle Suppe), Ponche (Punsch) und dickliche Maisgetränke angeboten. Wir entschieden uns für Pozole, die wirklich sehr lecker, aber auch sehr scharf war – ich musste die Suppe ja unbedingt über und über mit diesem leuchtend orangenen Zeug dekorieren.
Wieder aufgewärmt haben wir uns dann das sehr kurzweilige Feuerhockeyspiel in den Ruinen oberhalb des Dorfs angeschaut und uns gegen Mitternacht Richtung Friedhof aufgemacht. Trotz der vielen Touristen mit Fotoapparaten und Videokameras, trotz Straßenlärm, trotz einiger borrachos (Betrunkene) herrschte eine schöne, fast besinnliche Stimmung auf dem Friedhof, die Luft roch nach den vielen kleinen Feuern, auf denen die Familien ponche oder Suppe warmhielten und nach dem Meer von Kerzen. Ein, zwei oder auch mehrere Mexikaner wachen vor den Gräbern ihrer vor längerem oder erst vor kurzem verstorbenen Verwandten und nicht selten sieht man ganze Familien, vom kleinen Dreikäsehoch zum alten ranchero, eingehüllt in Jacken, mehrere Decken oder Ponchos, die oft die ganze Nacht mit den Geistern ihrer Verwandten auf dem „Gottesacker“ verbringen. Den schönsten Moment erlebe ich, als eine ganze Familie neben einem reich geschmückten und mit Opfergaben versehenen Grab ein fröhliches Lied zur Gitarre singt und einige vergnügt lachen. Wäre so etwas in Deutschland vorstellbar?
Irgendwann ist mein Akku leer, wir sind alle bis oben voll mit neuen Eindrücken, Gerüchen, „humbled by the experience“ und vor allem durchgefroren. Mein Vorhaben, bei der Rückfahrt wach zu bleiben und Daniel ein aufmerksamer Beifahrer zu sein, relativiert sich so schnell, wie die Wärme unsere eisigen Knochen durchdringt. Nachdem wir das Ortsschild hinter uns gelassen haben, falle ich in einen kurzen, aber tiefen Schlaf und wache erst wieder auf, als wir zurück in Morelia und in Laufnähe unseres Hotels sind.
Am nächsten Tag schlafen wir aus, genießen ein gutes, typisches mexikanisches Frühstück, bestehend aus huevos al gusto (Spiegelei oder Rührei mit Speck, oder Zwiebel, Tomate und Chili), dazu dampfende Tortillas, die obligatorischen frijoles, gekochte und pürierte Bohnen, Kaffee und frisch gepresstem Orangensaft.
Spät am Vormittag fahren wir nach Pátzcuaro, einem Dörfchen, dem man das koloniale Erbe sehr deutlich ansieht: Alle, und wirklich alle Häuser sind gleich gestrichen, ja sogar die Hausnummern und Geschäftsnamen sind in der gleichen Schriftart geschrieben. In diesem hübschen Mix aus Weiß, Rot und Schwarz haben wir den Tag unter unseren Artgenossen, den Touristen verbracht, schlenderten über den Kunsthandwerkermarkt auf dem Plaza mayor, wo wir neben Schnitzarbeiten (Kruzifixen, Jesusfiguren), traditioneller Kleidung, Tonarbeiten und Essensständen über eine knallbunte Holzskulptur stolpern, die die Anschläge vom 11. September nachstellt – mit kindlich angehauchten Türmen und einer spielzeugähnlichen Boeing, die gerade dabei ist, in das Gebäude rast, das ganze umringt von kleinen Holzmasken und Fantasietieren aus Oaxaca – skurril!
Später am Abend trafen wir uns dann mit Fernando und Jessica, einem mexikanisch-US-amerikanischen Ehepaar, die in Guadalajara ein Reisebüro betreiben und nebenbei auch noch ein wenig Kunst machen (Malerei und Fotografie). Mit ihnen und weiteren gringos und Kanadiern waren wir eine Weile in einem sehr schönen Literaturcafé, und unterhielten uns über Gott und die Welt. Zwischendurch schleppte ich noch Annabell und Emanuel als Stilberater in einen Laden, wo ich mich gedanklich schon in einen Poncho verguckt hatte, aber noch ein „Ja, nimm den“ von jemand anderem brauchte. So entschied ich mich für einen sehr schönen, weiß-blau-braunen Poncho, den ich bei Rückkehr zum Café unseren Bekannten auch gleich präsentierte – Foto kommt noch.
Am nächsten Morgen war unser Ziel die Insel Janítzio, welche inmitten des Lago de Pátzcuaro liegt und die wir per Fähre erreichten, inklusive lustlos spielender banda und Fischer auf dem See, die traditionell mit Senknetzen arbeiten, sei es jetzt nur für die Touristen oder auch, weil sich größere Netze und Boote in diesem recht flachen See (maximal 2 Meter tief) nicht rentieren würden.
Wie Daniel so schön sagte, wirkt die Insel, als hätte sie ein großes Kind augeschichtet – fast eine Halbkugel und recht gleichförmig, mit einer Art Freiheitsstatue auf dem Gipfel, die einem padre gewidmet ist, der ausnahmsweise mal nicht die indigene Bevölkerung nach Strich und Faden betrogen, sondern ihnen viel bei der Aufbau einer grundlegenden Infrastruktur geholfen und ihnen verbesserte Anbaumethoden beigebracht hat.
Um zu dieser Statue zu gelangen, was jeder anständige Tourist dank Herdentrieb auch tut. So kämpft man sich Stufe für Stufe Richtung Gipfel, passiert Dutzende Stände, die mehr oder weniger kunstvolle Holz- Maler- Töpfer- und Textilarbeiten verkaufen und noch mehr Restaurants, dessen Speisekarte meist fertig zubereitet anschaulich präsentiert und von den kleinen, rundlichen Frauen mit indigenen Zügen in einer Leier vorgetragen wird. Nach einer Tour über die Plattform auf dem Gipfel, wo kleine Jungs den Tanz der „viejitos“ vorführen, bei dem sie Holzmasken tragen, welche die conquistadores darstellen sollen und mit festen Holzsandalen eine Art Steptanz vollführen. Der Tag geht schnell vorüber, und mit der zufriedenen Müdigkeit besteigen wir die Fähre, welche die letzten Touristen zurück ans Festland bringt und die Bewohner der Insel kundenfrei zurücklässt. Am Abend lauschen wir einem Gitarrenkonzert auf der plaza de armas und fallen nach schmackofatzigen Burgern begleitet von einem eiskalten Bier in einen wohlverdienten Schlaf
Den nächsten Tag über laufen wir noch ein wenig in Morelia umher, schauen uns noch mehr koloniale Gebäude und dass allgemeine Treiben an, um gegen Mittag die Rückreise anzutreten - voller neuer Eindrücke und in jeder Hinsicht zufrieden.

Weitere Bilder findet ihr hier.

Barra de navidad

Mit den Reiseberichten bin ich ein bisschen im Rückstand, was jetzt nachgeholt wird. Und los geht's, willkommen in meiner Welt.

Drei der Wochenenden im vergangenen „Winter“ habe ich in Barra de Navidad verbracht, wo laut lonely planet um die 4.000 Seelen wohnen. Das überaus hübsche Dörfchen an Jaliscos Küste war wohl vor einer ganzen Weile einmal ein Piratenunterschlupf und fiel nach der Zeit der Piraten in einen Schlummer, von dem es sich laut schlauem Buch nie ganz erholt hat. Was immer sie damit meinen, es ist jedenfalls ein nettes, angenehm touristisches Dörfchen, das seit ca. 30 Jahren immer mehr Touristen empfangen hat, die immer gerne wiederkommen. Das schöne daran ist, dass die örtliche Bevölkerung direkt von den geldbringenden In- und Ausländern profitiert hat, anders als in manchen Destinationen, in denen gringos jeglicher Art die meisten Restaurants und Hotels führen, wodurch es zu einigen Verbesserungen der Infrastruktur kam (fließendes Wasser, Abwassersystem, Strom) und viele Dorfbewohner Geld mit den Touristen verdienen konnten. Klar gibt es auch in Barra Hotels und Restaurants, die nicht von einheimischen Mexikanern geführt werden, aber das hält sich stark in Grenzen. Das komfortabelste Hotel in Barra selbst, das Hotel Delfín wurde von einem Ex-Athleten aus Deutschland erbaut (wie sollte es auch anders sein), über die Jahre Stück für Stück erweitert und bietet viel Komfort für 400 Pesos die Nacht aufwärts - es gibt sogar einen eigenen Hotelpool. Ansonsten gibt es viele posadas und recht preiswerte Mittelklassehotels, allen voran das sehr beliebte Hotel Caribe mitten im Dorf oder die etwas teurere, aber dafür ruhigere und mit besseren Zimmer und Matratzen ausgestattete Posada pacífico.

In Barra befinden sich fast alle wichtigen Einrichtungen (Geschäfte, Plaza mayor, Bankautomaten, Hotels, Restaurants, Souvenir-Shops, Kneipen, Surf-Shop) entlang der Hauptstraße, die schließlich auf den malecón führt, einen aufgeschütteten und erweiterten Streifen Sand im Westen des Dorfs, dass das offene Meer bzw. die bahía de navidad von der Lagune trennt und heutzutage ein gepflasterter Flanierstreifen ist. Was gut für die Touristen war, hat einem weiteren Surfspot den Garaus gemacht. Früher konnte man dort die Flussmündung surfen, heute brechen die Wellen in Barra nur, wenn sie aus Norden kommen und es an den Stränden ringsherum zu groß ist. Aber wenn's bricht, dann kann's mit nem Longboard ganz spaßig sein.
Im Winter sind viele Hotels ausgebucht, dann entfliehen vor allem Amis und Kanadier, genannt snowbirds, der Kälte und lassen sich hier wie an anderen Ferienorten in Mexiko die Sonne auf den Bauch scheinen. Von Stoßzeiten abgesehen bleibt aber alles ganz gelassen und entspannt, so wie auch alle Einwohner zu sein scheinen. Der Rhythmus hier ist definitv anders als im geschäftigen Guadalajara oder in Puerto Vallarta, der teureren Partystadt ein wenig weiter nördlich. Falls jemand den Film "Blow" gesehen hat: Ja richtig, Vallarta, wo George Jung damals die Drogen eingekauft hat. Soviel zum informativen Teil.

Beim ersten Mal bin ich an einem langen Wochenende Mitte Oktober mit Dominik, nem Typen aus Köln gefahren, der sich hier einen alten Ami-Van gekauft hat und dank günstigen Stundenplans jedes Wochenende Sammeltaxi nach Barra anbietet. Außerdem mit an Bord waren sein Studienfreund Ruben aus Kufstein, ne nette Schwedin und Jan, mit dem ich mich dort und an den nachfolgenden Wochenenden ein wenig angefreundet habt. Die Fahrt war ok, es hat mich aber doch ein wenig irritiert, dass der Feierabend schon um 9 Uhr morgens eingeläutet wurde und die ersten Biere geköpft wurden.
Nuja, wir kamen sicher an. Nachdem wir Carson, 21, aus Idaho, der in Barra schon seit nem halben Jahr ist, und Steve, einen Shaper aus Texas, irgendwo zwischen 50 und Pension anzusiedeln, kennengelernt hatten, ging’s auch recht fix zum Surfen nach Boca de iguanas. Es war geradezu surreal, nur mit Boardshorts bekleidet und trotzdem schwitzend an einem von Palmen gesäumten Strand surfen zu gehen, wenn man nur eher kalte, schwache Atlantikwellen mit Neo gewöhnt ist.

Schon bei der Abfahrt von Guadalajara hatte ich ein flaues Gefühl in der Magengegend und die tortas ahogadas, die ich am Tag zuvor in der Schulcaféteria gegessen hatte, waren offensichtlich nicht mehr ganz taufrisch. Die nächsten vier Tage liefen alle nach dem gleichen Muster ab: morgens zum Surfen an einen Strand fahren, zurück nach Barra, Bananen und Cracker essen, trinken, zur Konferenzschaltung zurückziehen, vor Erschöpfung den ganzen Nachmittag über schlafen/ dösen und sich gleich wieder hinlegen. Samstag war's mir endgültig zu viel und ich habe dann schön eine Doppelportion Immodium akut genommen, die jegliche Verdauung erst mal auf Eis gelegt hat. Ohne größeren Zwischenfall lief dann auch die Rückfahrt ab, doch hat es noch drei Tage und einen verschlafenen Nachmittag gebraucht, bis ich mich wieder einigermaßen wohl gefühlt habe.

Was mir beim ersten Barra-Besuch verwehrt geblieben ist, habe ich gleich zwei Wochen später nachgeholt: Dieses Mal fuhren wir, also Jan, Daniel und ich in Daniels Toyota-Pickup für ein normal kurzes Wochenende nach Barra, inklusive: leckeren Fisch-Tacos im äußerst charmanten Restaurant Mexico lindo mit noch charmanterer Bedienung, Sonnenuntergang mit Margaritas, surfen ohne Schwächeanfall, ein Besuch in der Dorfdisse etc. Klar war Dominik auch wieder in Barra und hatte schon sein neues Strandhaus eingeweiht, dass er dort für eine Zeit lang gemietet hat. Außerdem durften wir noch Günther kennenlernen, einen deutschen Freund von Daniel, der mit Silvia, einer sehr netten Mexikanerin zusammen ist und sich seit 4 Jahren endgültig in Barra niedergelassen hat. Wer könnt's ihm verdenken - und nicht die schlechteste Entscheidung! Schneller als es uns lieb war mussten wir wieder in die Stadt zurück, Arbeit, Studium und Praktikum riefen.

Beim dritten Mal Barra waren Jan, Daniel und auch Annabell und Emanuel an Bord und zu viert teilten wir uns Günthers Apartment, also den unteren Teil seines Hauses, wunderschön gelegen mit einer Terrasse, von der man einen Blick auf die Lagune, die Piers der Fischergenossenschaft und das 5-Sterne-Luxushotel hat. Nach einem ersten obligatorischen Abend im Mexico lindo mit, na, was wohl? Genau! Kaltem cerveza, Fischtacos und Shrimps-Burger – einfach super, das Wochenende so einzuläuten, ließ der Sandmann nicht lange auf sich warten. Die Nacht haben die drei im Apartment und ich in der Hängematte verbracht, wo ich zwar nicht allzu tief geschlafen habe, aber dafür wurde ich früh und sehr angenehm von den ersten Sonnenstrahlen und den Wellen geweckt, die durch die Fischerboote an die Piers geworfen wurden.

Reisekäpt’n Dominik hatte wieder eine Handvoll Deutsche und Österreicher von Barras Vorteilen überzeugen können, und so waren Jan und ich am Samstagmorgen erst mal damit beschäftigt, eine gute Handvoll Alkoholzombies aus ihrer Gruft zu locken, um uns eine Stunde später auf den Weg nach Tecuán zu machen, einem Strand, der schön und gut zum Surfen ist, aber nur nach einer Fahrt von ca. 45 Minuten Richtung Norden, Durchqueren eines kleinen Dorfes und eines Baches erreicht werden kann. Ich Quarkschädel hatte meine Finnen im Haus liegen lassen, und so durfte ich Steves großes und volumiges Brett ausprobieren, was beweglicher und manövrierbarer war, als es aussah. In der Tat habe ich mit dem Brett in Tecuán bisher die beste Welle hier in Mexiko gehabt. Die weiteren Tage liefen alle ähnlich entspannt ab – wir sind schließlich im Urlaub – und als Dankeschön für Günthers Gastfreundschaft haben wir dann zusammen am Sonntag für ihn ein köstliches Mahl gezaubert: Ensalada a la mexicana, Guacamole, filete de dorado y camarones al ajo und als krönenden Abschluss noch flambierte Ananasscheiben mit Limonencreme und Schoko-Nuss-Raspeln… Leider konnte seine Freundin Silvia nicht dabei sein und da Günther ihr von dem guten Essen erzählt hatte, bestanden er und sie darauf, dass wir unbedingt wiederkommen müssen… Hmmm… Grübelgrübel… ich weiß nicht…. Na klar! Barra, Günther, wir kommen wieder!

Zu den Bildern geht's wie immer hier