Die Fotos liegen ja schon vor, jetzt noch ein paar Zeilen zum beeindruckendsten, was ich bisher in Mexiko erlebt habe.Donnerstags sind wir, die alte Reisegruppe, also Annabell, Emanuel, Jan, Daniel und ich direkt nach Schulschluss um Zwei über die cuota, die Bezahlautobahn (die so teuer ist, dass sie eigentlich nur von Erste-Klasse-Bussen, Touristen und reicheren Mexikanern genutzt wird) Richtung Morelia gestartet, um dort das verlängerte Wochenende zu verbringen und die faszinierenden Traditionen der Mexikaner am Tag der Toten mitzuerleben.
Die Fahrt in unserem „großen fetten amerikanischen SUV“ (Daniel), das uns ein guter Freund Daniels ausgeliehen hatte, war bis auf ein paar tote Hunde am Straßenrand – leider nichts Ungewöhnliches hier – sehr angenehm, dank spitzen Gesellschaft und guter Musik. Schnell und unkompliziert waren wir gut 4 Stunden später an unserem Hotel im Zentrum angekommen, wo wir Jungspunde uns ein 4-Bett-Zimmer für 400 Pesos die Nacht teilten und Daniel in ein Einzelzimmer ausgelagert wurde. Das Hotel Fénix hat laut englischem lonely planet „saggy beds“ und dunkle Zimmer, aber wir vier waren sehr zufrieden und haben gut geschlafen. Wie vieles sehr einfach und renovierungsbedürftig, aber gut. Die halbe Stunde, die wir uns noch ausruhen wollten, konnte ich meine Augen einfach nicht schließen, der schieren Vorfreude wegen. Als wir dann in Tzintzuntzán ankamen, war’s schon deutlich kälter als noch in Morelia, und eingewickelt in all unsere warmen Sachen stürzten wir uns in die Menge, die vor allem aus Mexikanern, ein paar Gringos und Europäern wie uns bestand. Für die Statistik: Insgesamt besuchen diese Region während der Tage um den 2. November ca. 1-2 Millionen Leute.
Alle paar Meter wurden Tacos, Hamburger, Hot Dogs, Pozole (sehr traditionelle Suppe), Ponche (Punsch) und dickliche Maisgetränke angeboten. Wir entschieden uns für Pozole, die wirklich sehr lecker, aber auch sehr scharf war – ich musste die Suppe ja unbedingt über und über mit diesem leuchtend orangenen Zeug dekorieren.
Wieder aufgewärmt haben wir uns dann das sehr kurzweilige Feuerhockeyspiel in den Ruinen oberhalb des Dorfs angeschaut und uns gegen Mitternacht Richtung Friedhof aufgemacht. Trotz der vielen Touristen mit Fotoapparaten und Videokameras, trotz Straßenlärm, trotz einiger borrachos (Betrunkene) herrschte eine schöne, fast besinnliche Stimmung auf dem Friedhof, die Luft roch nach den vielen kleinen Feuern, auf denen die Familien ponche oder Suppe warmhielten und nach dem Meer von Kerzen. Ein, zwei oder auch mehrere Mexikaner wachen vor den Gräbern ihrer vor längerem oder erst vor kurzem verstorbenen Verwandten und nicht selten sieht man ganze Familien, vom kleinen Dreikäsehoch zum alten ranchero, eingehüllt in Jacken, mehrere Decken oder Ponchos, die oft die ganze Nacht mit den Geistern ihrer Verwandten auf dem „Gottesacker“ verbringen. Den schönsten Moment erlebe ich, als eine ganze Familie neben einem reich geschmückten und mit Opfergaben versehenen Grab ein fröhliches Lied zur Gitarre singt und einige vergnügt lachen. Wäre so etwas in Deutschland vorstellbar?
Irgendwann ist mein Akku leer, wir sind alle bis oben voll mit neuen Eindrücken, Gerüchen, „humbled by the experience“ und vor allem durchgefroren. Mein Vorhaben, bei der Rückfahrt wach zu bleiben und Daniel ein aufmerksamer Beifahrer zu sein, relativiert sich so schnell, wie die Wärme unsere eisigen Knochen durchdringt. Nachdem wir das Ortsschild hinter uns gelassen haben, falle ich in einen kurzen, aber tiefen Schlaf und wache erst wieder auf, als wir zurück in Morelia und in Laufnähe unseres Hotels sind.
Am nächsten Tag schlafen wir aus, genießen ein gutes, typisches mexikanisches Frühstück, bestehend aus huevos al gusto (Spiegelei oder Rührei mit Speck, oder Zwiebel, Tomate und Chili), dazu dampfende Tortillas, die obligatorischen frijoles, gekochte und pürierte Bohnen, Kaffee und frisch gepresstem Orangensaft.
Spät am Vormittag fahren wir nach Pátzcuaro, einem Dörfchen, dem man das koloniale Erbe sehr deutlich ansieht: Alle, und wirklich alle Häuser sind gleich gestrichen, ja sogar die Hausnummern und Geschäftsnamen sind in der gleichen Schriftart geschrieben. In diesem hübschen Mix aus Weiß, Rot und Schwarz haben wir den Tag unter unseren Artgenossen, den Touristen verbracht, schlenderten über den Kunsthandwerkermarkt auf dem Plaza mayor, wo wir neben Schnitzarbeiten (Kruzifixen, Jesusfiguren), traditioneller Kleidung, Tonarbeiten und Essensständen über eine knallbunte Holzskulptur stolpern, die die Anschläge vom 11. September nachstellt – mit kindlich angehauchten Türmen und einer spielzeugähnlichen Boeing, die gerade dabei ist, in das Gebäude rast, das ganze umringt von kleinen Holzmasken und Fantasietieren aus Oaxaca – skurril!
Später am Abend trafen wir uns dann mit Fernando und Jessica, einem mexikanisch-US-amerikanischen Ehepaar, die in Guadalajara ein Reisebüro betreiben und nebenbei auch noch ein wenig Kunst machen (Malerei und Fotografie). Mit ihnen und weiteren gringos und Kanadiern waren wir eine Weile in einem sehr schönen Literaturcafé, und unterhielten uns über Gott und die Welt. Zwischendurch schleppte ich noch Annabell und Emanuel als Stilberater in einen Laden, wo ich mich gedanklich schon in einen Poncho verguckt hatte, aber noch ein „Ja, nimm den“ von jemand anderem brauchte. So entschied ich mich für einen sehr schönen, weiß-blau-braunen Poncho, den ich bei Rückkehr zum Café unseren Bekannten auch gleich präsentierte – Foto kommt noch.
Am nächsten Morgen war unser Ziel die Insel Janítzio, welche inmitten des Lago de Pátzcuaro liegt und die wir per Fähre erreichten, inklusive lustlos spielender banda und Fischer auf dem See, die traditionell mit Senknetzen arbeiten, sei es jetzt nur für die Touristen oder auch, weil sich größere Netze und Boote in diesem recht flachen See (maximal 2 Meter tief) nicht rentieren würden.
Wie Daniel so schön sagte, wirkt die Insel, als hätte sie ein großes Kind augeschichtet – fast eine Halbkugel und recht gleichförmig, mit einer Art Freiheitsstatue auf dem Gipfel, die einem padre gewidmet ist, der ausnahmsweise mal nicht die indigene Bevölkerung nach Strich und Faden betrogen, sondern ihnen viel bei der Aufbau einer grundlegenden Infrastruktur geholfen und ihnen verbesserte Anbaumethoden beigebracht hat.
Um zu dieser Statue zu gelangen, was jeder anständige Tourist dank Herdentrieb auch tut. So kämpft man sich Stufe für Stufe Richtung Gipfel, passiert Dutzende Stände, die mehr oder weniger kunstvolle Holz- Maler- Töpfer- und Textilarbeiten verkaufen und noch mehr Restaurants, dessen Speisekarte meist fertig zubereitet anschaulich präsentiert und von den kleinen, rundlichen Frauen mit indigenen Zügen in einer Leier vorgetragen wird. Nach einer Tour über die Plattform auf dem Gipfel, wo kleine Jungs den Tanz der „viejitos“ vorführen, bei dem sie Holzmasken tragen, welche die conquistadores darstellen sollen und mit festen Holzsandalen eine Art Steptanz vollführen. Der Tag geht schnell vorüber, und mit der zufriedenen Müdigkeit besteigen wir die Fähre, welche die letzten Touristen zurück ans Festland bringt und die Bewohner der Insel kundenfrei zurücklässt. Am Abend lauschen wir einem Gitarrenkonzert auf der plaza de armas und fallen nach schmackofatzigen Burgern begleitet von einem eiskalten Bier in einen wohlverdienten Schlaf
Den nächsten Tag über laufen wir noch ein wenig in Morelia umher, schauen uns noch mehr koloniale Gebäude und dass allgemeine Treiben an, um gegen Mittag die Rückreise anzutreten - voller neuer Eindrücke und in jeder Hinsicht zufrieden.
Weitere Bilder findet ihr hier.
Die Fahrt in unserem „großen fetten amerikanischen SUV“ (Daniel), das uns ein guter Freund Daniels ausgeliehen hatte, war bis auf ein paar tote Hunde am Straßenrand – leider nichts Ungewöhnliches hier – sehr angenehm, dank spitzen Gesellschaft und guter Musik. Schnell und unkompliziert waren wir gut 4 Stunden später an unserem Hotel im Zentrum angekommen, wo wir Jungspunde uns ein 4-Bett-Zimmer für 400 Pesos die Nacht teilten und Daniel in ein Einzelzimmer ausgelagert wurde. Das Hotel Fénix hat laut englischem lonely planet „saggy beds“ und dunkle Zimmer, aber wir vier waren sehr zufrieden und haben gut geschlafen. Wie vieles sehr einfach und renovierungsbedürftig, aber gut. Die halbe Stunde, die wir uns noch ausruhen wollten, konnte ich meine Augen einfach nicht schließen, der schieren Vorfreude wegen. Als wir dann in Tzintzuntzán ankamen, war’s schon deutlich kälter als noch in Morelia, und eingewickelt in all unsere warmen Sachen stürzten wir uns in die Menge, die vor allem aus Mexikanern, ein paar Gringos und Europäern wie uns bestand. Für die Statistik: Insgesamt besuchen diese Region während der Tage um den 2. November ca. 1-2 Millionen Leute.
Alle paar Meter wurden Tacos, Hamburger, Hot Dogs, Pozole (sehr traditionelle Suppe), Ponche (Punsch) und dickliche Maisgetränke angeboten. Wir entschieden uns für Pozole, die wirklich sehr lecker, aber auch sehr scharf war – ich musste die Suppe ja unbedingt über und über mit diesem leuchtend orangenen Zeug dekorieren.
Wieder aufgewärmt haben wir uns dann das sehr kurzweilige Feuerhockeyspiel in den Ruinen oberhalb des Dorfs angeschaut und uns gegen Mitternacht Richtung Friedhof aufgemacht. Trotz der vielen Touristen mit Fotoapparaten und Videokameras, trotz Straßenlärm, trotz einiger borrachos (Betrunkene) herrschte eine schöne, fast besinnliche Stimmung auf dem Friedhof, die Luft roch nach den vielen kleinen Feuern, auf denen die Familien ponche oder Suppe warmhielten und nach dem Meer von Kerzen. Ein, zwei oder auch mehrere Mexikaner wachen vor den Gräbern ihrer vor längerem oder erst vor kurzem verstorbenen Verwandten und nicht selten sieht man ganze Familien, vom kleinen Dreikäsehoch zum alten ranchero, eingehüllt in Jacken, mehrere Decken oder Ponchos, die oft die ganze Nacht mit den Geistern ihrer Verwandten auf dem „Gottesacker“ verbringen. Den schönsten Moment erlebe ich, als eine ganze Familie neben einem reich geschmückten und mit Opfergaben versehenen Grab ein fröhliches Lied zur Gitarre singt und einige vergnügt lachen. Wäre so etwas in Deutschland vorstellbar?Irgendwann ist mein Akku leer, wir sind alle bis oben voll mit neuen Eindrücken, Gerüchen, „humbled by the experience“ und vor allem durchgefroren. Mein Vorhaben, bei der Rückfahrt wach zu bleiben und Daniel ein aufmerksamer Beifahrer zu sein, relativiert sich so schnell, wie die Wärme unsere eisigen Knochen durchdringt. Nachdem wir das Ortsschild hinter uns gelassen haben, falle ich in einen kurzen, aber tiefen Schlaf und wache erst wieder auf, als wir zurück in Morelia und in Laufnähe unseres Hotels sind.
Am nächsten Tag schlafen wir aus, genießen ein gutes, typisches mexikanisches Frühstück, bestehend aus huevos al gusto (Spiegelei oder Rührei mit Speck, oder Zwiebel, Tomate und Chili), dazu dampfende Tortillas, die obligatorischen frijoles, gekochte und pürierte Bohnen, Kaffee und frisch gepresstem Orangensaft.
Spät am Vormittag fahren wir nach Pátzcuaro, einem Dörfchen, dem man das koloniale Erbe sehr deutlich ansieht: Alle, und wirklich alle Häuser sind gleich gestrichen, ja sogar die Hausnummern und Geschäftsnamen sind in der gleichen Schriftart geschrieben. In diesem hübschen Mix aus Weiß, Rot und Schwarz haben wir den Tag unter unseren Artgenossen, den Touristen verbracht, schlenderten über den Kunsthandwerkermarkt auf dem Plaza mayor, wo wir neben Schnitzarbeiten (Kruzifixen, Jesusfiguren), traditioneller Kleidung, Tonarbeiten und Essensständen über eine knallbunte Holzskulptur stolpern, die die Anschläge vom 11. September nachstellt – mit kindlich angehauchten Türmen und einer spielzeugähnlichen Boeing, die gerade dabei ist, in das Gebäude rast, das ganze umringt von kleinen Holzmasken und Fantasietieren aus Oaxaca – skurril!
Später am Abend trafen wir uns dann mit Fernando und Jessica, einem mexikanisch-US-amerikanischen Ehepaar, die in Guadalajara ein Reisebüro betreiben und nebenbei auch noch ein wenig Kunst machen (Malerei und Fotografie). Mit ihnen und weiteren gringos und Kanadiern waren wir eine Weile in einem sehr schönen Literaturcafé, und unterhielten uns über Gott und die Welt. Zwischendurch schleppte ich noch Annabell und Emanuel als Stilberater in einen Laden, wo ich mich gedanklich schon in einen Poncho verguckt hatte, aber noch ein „Ja, nimm den“ von jemand anderem brauchte. So entschied ich mich für einen sehr schönen, weiß-blau-braunen Poncho, den ich bei Rückkehr zum Café unseren Bekannten auch gleich präsentierte – Foto kommt noch.
Am nächsten Morgen war unser Ziel die Insel Janítzio, welche inmitten des Lago de Pátzcuaro liegt und die wir per Fähre erreichten, inklusive lustlos spielender banda und Fischer auf dem See, die traditionell mit Senknetzen arbeiten, sei es jetzt nur für die Touristen oder auch, weil sich größere Netze und Boote in diesem recht flachen See (maximal 2 Meter tief) nicht rentieren würden.Wie Daniel so schön sagte, wirkt die Insel, als hätte sie ein großes Kind augeschichtet – fast eine Halbkugel und recht gleichförmig, mit einer Art Freiheitsstatue auf dem Gipfel, die einem padre gewidmet ist, der ausnahmsweise mal nicht die indigene Bevölkerung nach Strich und Faden betrogen, sondern ihnen viel bei der Aufbau einer grundlegenden Infrastruktur geholfen und ihnen verbesserte Anbaumethoden beigebracht hat.
Um zu dieser Statue zu gelangen, was jeder anständige Tourist dank Herdentrieb auch tut. So kämpft man sich Stufe für Stufe Richtung Gipfel, passiert Dutzende Stände, die mehr oder weniger kunstvolle Holz- Maler- Töpfer- und Textilarbeiten verkaufen und noch mehr Restaurants, dessen Speisekarte meist fertig zubereitet anschaulich präsentiert und von den kleinen, rundlichen Frauen mit indigenen Zügen in einer Leier vorgetragen wird. Nach einer Tour über die Plattform auf dem Gipfel, wo kleine Jungs den Tanz der „viejitos“ vorführen, bei dem sie Holzmasken tragen, welche die conquistadores darstellen sollen und mit festen Holzsandalen eine Art Steptanz vollführen. Der Tag geht schnell vorüber, und mit der zufriedenen Müdigkeit besteigen wir die Fähre, welche die letzten Touristen zurück ans Festland bringt und die Bewohner der Insel kundenfrei zurücklässt. Am Abend lauschen wir einem Gitarrenkonzert auf der plaza de armas und fallen nach schmackofatzigen Burgern begleitet von einem eiskalten Bier in einen wohlverdienten Schlaf
Den nächsten Tag über laufen wir noch ein wenig in Morelia umher, schauen uns noch mehr koloniale Gebäude und dass allgemeine Treiben an, um gegen Mittag die Rückreise anzutreten - voller neuer Eindrücke und in jeder Hinsicht zufrieden.
Weitere Bilder findet ihr hier.
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