Hallo ihr Lieben,
wünsche euch zu allererst Frohe Weihnachten, was man hier eigentlich erst morgen so richtig feiert. Die Sonne scheint weiterhin, man kann ohne Frösteln in kurzen Hosen und T-Shirt rumlaufen und Schnee gibt's logischerweise auch keinen. Gestern abend bin ich vom Strand (Maruata hieß der Ort) wiedergekommen. Es war sehr schön dort, ich habe die Tage mit Annabell, ihrem Freund Emanuel und Daniel verbracht. Unser treuer Gringo-Reisegefährte war sogar so nett, uns drei Stunden entgegen seines eigentlichen Ziels Barra de Navidad direkt zum Strand zu fahren, wo er dann auch nur eine Nacht mit uns geblieben ist. Die Tage dort waren sehr schön, wir haben uns gut amüsiert, geschwommen, gesonnt, Kartoffeln im Feuer, Guacamole und Kochbananen gemacht, Ananas gegessen und in der Hängematte gelegen. Wir haben auch Javier, einen sehr netten, jungen mexikanischen Papa aus GDL kennen gelernt, der uns netterweise mit zurück genommen hat.
Ich bin schließlich bei Zaira untergekommen, einer Mexikanerin, mit der ich letzten Sonntag auf der Via recreativa war. V.R. bedeutet, dass zwei große Straßen, die durch GDL laufen, gesperrt werden und Fußgänger, Radfahrer, Skater usw. darauf fahren dürfen. Ist ne wirklich schöne Sache. Netterweise darf ich bei ihr schlafen und habe sogar ein eigenes Zimmer mit Bett :)
Ich glaube, ich kann mit Sicherheit behaupten, Weihnachten noch nie so verbracht zu haben. Fühle mich schon ein wenig verloren oder eben nur zeitweise an einem Ort zu Hause. Heute abend werde ich zu Mauricio gehen und mit seiner Familie feiern. Mein Weihnachtsgeschenk an sie wird ein typisch deutsches Drei-Gänge-Menü sein, dass ich ihnen nach meiner Rückkehr kochen werde. Da ich seine Eltern nicht so gut kenne, aber weiß, dass sie gerne essen, wird ihnen dieses Geschenk bestimmt Freude machen. Am 25. Dezember wird hier dann wohl mehr gefeiert, ich werde zusammen mit Mau und seiner familia zu einer Tante gehen und ich bin einfach mal gespannt, was dort so das übliche Protokoll zu Weihnachten ist. Und bestimmt fühle ich mich dann ein wenig besser aufgehoben und zu Hause.
Sehr glücklich war ich, als ich vor einer Woche endlich die Bestätigung meines Semester an der hiesigen Uni, der Universidad de Guadalajara abgeholt habe und schwarz auf weiß in meinen Händen hielt. Alle meine Kurse, die ich mir zu Hause eher blind und nur nach Interesse ausgesucht habe, sind mir zugeteilt worden. Falls man sich noch umentscheiden oder andere Kurse belegen möchte, kann man als Austauschstudent ab dem Studienbeginn im Februar zwei Wochen lang class-hopping betreiben. Super!
Mit einer neuen Unterkunft hat sich noch nichts getan, aber ich habe vor, mir ab Februar eine casita, ein kleines Häuschen in der Nähe meiner Fakultät, der CUCSH (Centro Universitario de Ciencias Sociales y Humanas) mit América, Karla und Hugo, drei Mexikanern, zu teilen: Die drei sind super drauf und ich hoffe, dass sie laut eigenem Versprechen schon auf der Suche danach sind.
Silvester verbringe ich vielleicht in Mexiko City (México D.F.), eventuell begebe ich mich aber auch schon nach den Weihnachtsfeiertagen auf meine Surf- und Kultur-Tour Richtung Chiapas, dem ärmsten, südlichsten und wohl auch faszinierendsten mexikanischen Bundesstaat. Das hängt davon ab, ob ich in D.F. bei Javier und José, zwei Kumpels vom Zivildienst unterkommen kann und wohin es mich eher zieht.
Mit der Sprache klappt es mittlerweile ganz gut, immer besser, aber ich erhoffe mir doch mehr von den nächsten paar Monaten, da ich während meinem Praktikum am Colegio Alemán unter der Woche immer wieder Deutsch gesprochen habe und so kommt man natürlich nie richtig in die Sprache rein.
Unglaublich froh bin ich, bei meiner Vermieterin raus zu sein. Keine Details mehr, die gab's schon zur Genüge einen Post weiter südlich. Long story short: ich muss keine Miete für Januar zahlen, da ich ihr aber bei der Kündigung letzten Dienstag gesagt hatte, dass ich über die Weihnachtsfeiertage und Silvester bei Mauricio unterkommen würde, was nun leider doch nicht geht, hatte sie wohl schon alles verplant und ich musste regelrecht darum kämpfen, um noch eine Nacht in meinem (für den Rest des Monats bezahlten) Zimmer zu schlafen. Ich reg' mich schon wieder auf, schlecht fürs Herz, ich lass das mal lieber. Haarsträubenderweise erzählte sie mir auch, dass sie aufgrund der spontanen Kündigung keinen Zugriff auf meine Kaution hätte und erst ab 2. Januar darauf Zugriff hätte. Völliger Mumpitz, Mauricio und ich gehen davon aus, dass sie einfach schon ihr Budget für Dezember und Weihnachten verplant hat. Nun ja, rückblickend gesehen habe ich zu viel Geld für eine mehr oder wenigerbequeme, aber unschöne Wohnsituation bezahlt und habe mich zu oft geärgert. Das lass ich jetzt hinter mir und blicke frohen Mutes in meine vor mir liegende Zeit als Tourist und Austauschstudent.
Montag, 24. Dezember 2007
Dienstag, 11. Dezember 2007
Ärger mit der Vermieterin - mir reicht's!
Ich muss mir mal eben den Frust von der Seele schreiben. Wenn ihr keine Lust auf solche Mieter-Vermietergeschichten habt, dann lest einfach was sinnvolles. Zeitung oder so.
Wie ihr wisst, wohne ich in seiner so genannten "casa de asistencia" (siehe auch weiter unten "Die ersten Tage"), sprich ich wohne mit der Vermieterin, ihrem Sohn und einem weiteren Studenten zusammen. Für 4800 Pesos im Monat, was ca. 310 Euro entspricht, macht sie unser Zimmer sauber, wäscht und bügelt unsere Wäsche, kocht uns ein Mittagessen, bei Bedarf auch Abendessen und stellt uns Frühstück bereit. So wollte ich es, so habe ich es bisher bekommen.
Gleich in der zweiten Woche bin ich schon mit ihr aneinander geraten, da ich für den 3. Oktober (Tag der deutschen Einheit) Badische Apfelküchle machen wollte, um sie für das gemeinsame Frühstück, das deutsche Lehrer organisieren, in die Schule mitzubringen. Da sie an dem Tag eh einkaufen gegangen ist und ich mal eben 'ne gute Woche in Mexiko war, hab ich sie gebeten, mir ein paar Sachen mitzubringen.
Schon als sie mit den Einkäufen nach Hause kam, hat sie sofort nach dem Geld für die Zutaten gefragt und war schon eine ganze Ecke steifer. Später, als ich dann anfing, die Apfelringe mit dem Teig in Fett auszubacken, kam sie zur Tür herein und das Theater fing an.
Sie redete etwas von einem "palo más alto", den ich mir verdient hätte (sprich eine Tracht Prügel, wenn ich das richtig verstanden habe), und dass ich von nun an nie mehr etwas in ihrer Küche machen dürfte, was ich woanders hin mitnehmen würde.
Ihr kennt mich vielleicht ein wenig und wisst, wie gerne ich koche und wie akribisch ich beim Saubermachen sein kann. Genau so habe ich auch ihre Küche wieder hinterlassen, blitzeblank, so wie vorher, wenn nicht noch strahlender. War ihr das genug? Nein! Sie meckerte in einer Tour weiter, beschwerte sich, jammerte mir die Ohren voll und wollte noch nicht einmal mehr etwas von den Küchle probieren. Gut, ich muss zugeben, ich habe ihre Küche, die wirklich klein ist, für drei Stunden, bis Halb Elf Uhr nachts in Beschlag gehalten, aber sie konnte das Sandwich, was sie für den anderen Studenten normalerweise hinstellt, ohne Probleme schmieren. Es war vielleicht ein wenig eng für 5 Minuten, aber das war's dann auch schon.
Sie hört einfach nicht auf, mich zuzutexten, so dass es mir dann irgendwann gereicht hat und ich mich nach kurzer Ankündigung (ya me voy) in mein Zimmer verzogen habe.
Am nächsten Tag haben wir uns "ausgesprochen", sprich sie hat das getan, was sie am besten kann: Darüber zu reden, was die anderen Hauswirtinnen alles nicht machen und sie besser, zu reden, zu reden und noch ein bisschen mehr zu reden. Sie erklärte, dass sie nicht an Männer in der Küche gewöhnt sei und ein seltsames Gefühl gehabt hätte. In der Tat ist ihr Sohn in der Nacht in seiner Wohnung zusammengebrochen und konnte irgendwie die Nachbarn verständigen, die ihn dann ins Krankenhaus gefahren haben. Das ist heftig, keine Frage. Ob's stimmt, eine andere.
Nach einer Stunde hatte ich ihr meine Sicht der Dinge geschildert, kurz mit Auszug gedroht und hatte für mich entschieden, dass ich auf keinen Fall mehr einen Fuß in ihre Küche setzen würde um dort etwas zu kochen, geschweige denn etwas für sie. Schade.
Fortsetzung des ganzen Ärgernisses
Señora Sonia kommt jeden Tag in unsere Zimmer, leert die Mülleimer, nimmt die dreckige Wäsche mit und saugt die Zimmer, wenn's nötig sein sollte. Bisher hatte ich immer meine Flip-Flops (=Hausschuhe) und manchmal auch ein paar Turnschuhe draußen stehen lassen, die von ihr konsequent in den Wandschrank in meinem Zimmer geräumt wurden, in dem ich alle meine Kleider und Taschen/Koffer verstaue. Das ging mir schon länger auf dem Keks, jedes Mal den Kleiderschrank zu öffnen, um an meine Latschen zu kommen. Ja, natürlich könnte ich das einfach so hinnehmen, aber man hat eben so seine Gewohntheiten und ein Mindestmaß an "Chaos" gehört einfach in ein Studentenzimmer wie klingelnde Handys ins Kino. Wenn es mal nicht klingen sollte, nimmt man es vielleicht angenehm zur Kenntnis, falls doch, regt man sich halt kurz auf und fertig. Vielleicht nicht der beste Vergleich, aber ihr versteht schon.
Keine Lust, wieder mein geliebtes Schuhwerk aus dem Dunkel des Kleiderkerkers zu befreien, habe ich ihr also heute morgen eine kurze Nachricht geschrieben: "Liebe Frau Sonia, bitte lassen sie meine Schuhe draußen stehen. Vielen Dank!" Das Resultat war phantastisch. Als ich heim kam, standen meine Schuhe an exakt dem Platz, an dem ich sie am morgen zurückgelassen hatte. Es verwirrte mich jedoch ein wenig, dass der Zettel immer noch dort war. Kurz nachdem ich nach Hause gekommen war, hielt sie mir dann wieder mal einen Vortrag, in dessen Verlauf sie sich ein wenig in Rage redete und mich fragte, ob sie sich wohl auch verpflichtet fühlt, eine Mutterrolle einnehmen zu müssen. Sie redete darüber, dass sie mir ja erlauben würde, mein Fahrrad, Surfboard und Longboard (skateboard) in meinem Zimmer aufzubewahren, sie keine muchacha, also ein Zimmermädchen oder Haushaltshilfe einstellen würde, sondern alles selbst machen würde und ihr das die Arbeit nicht gerade erleichtern würde. Stimmt, und ich bin ihr sehr dankbar dafür, dass ich meine Sachen in meinem angemieteten 10 Quadratmetern unterbringen kann und nicht gezwungen bin, diese Dinge auf dem Hausdach zu lagern, wo sich jeder selbst bedienen kann. Wirklich, ein feiner Zug von ihr, sehr großzügig.
Sie hielt mir vor, dass ich bisher zwei Gläser zerbrochen habe, leichte, nie mehr zu entfernende Streifen an die Wand unter meinem an die Wand gequetschten Minischreibtisch gemacht hätte und ihren 10-Euro-Klappstuhl, mit dem ich meine Wirbelsäule malträtiere, ebenfalls ein wenig in Mitleidenschaft gezogen hätte. Stimmt, ist mir alles passiert, tut mir auch leid, es geschah aus purem Zufall und ohne böse Hintergedanken. Was bitte kann ich dafür, wenn eine angerostete Strebe dieses hochwertigen chinesischen Qualitätsproduktes unter leichtem Druck nachgibt? Und ja, ich weiß, dass man keine Obstreste im Mülleimer zurücklässt, da es kleine hungrige Tierchen anzieht, kommt nicht mehr vor.
Aber dafür zahle ich Miete, und für mexikanische Verhältnisse nicht zu wenig. Man sollte meinen, für das bisschen Schwund sollte das Geld ausreichen. Ich hab mich während dem ganzen Gespräch gefragt, dass es eigentlich nicht sein kann, dass ich solche elternhaften Vorträge gehalten bekomme, wenn ich einfach nur ein Zimmer mit den angeführten Leistunden haben möchte und ich ihr damit teilweise den Lebensunterhalt finanziere - sie geht nämlich keiner anderen beschäftigung nach.
Damit nicht genug. Ich denke, die ganze Angelegenheit beruhte auf unserer unterschiedichen Auffassung von individueller Freiheit beziehungsweise der Vorstellung, wie ein Zimmer auszusehen hat, egal, ob jemand darin wohnt oder nicht.
Vor zwei Wochen hat sie den Fernseher in meinem Zimmer mit dem ihres Sohnes getauscht, weil der seine den Geist aufgegeben hat. Komisch, er war doch erst ein paar Jahre alt und lief nur den halben Tag. Das kam mir gerade recht, wenn auch etwas unvermutet und überraschend, aber eigentlich war ich froh, dass ich nicht mehr die Flimmerkiste in meinem Zimmer stehen hatte. Den in den 3 Wochen hatte ich meine Nachmittage und Abende mit den Kollegen von Scrubs, The Office oder Reno 911 verbracht. Keine schlechten Serien, aber es gibt doch interessantere Dinge in Mexiko, als sich den ganzen Nachmittag vor die Glotze zu hocken. Zum Beispiel, sich mit der eigenen Vermieterin rumzuplagen und danach einen mittellangen Kommentar darüber zu schreiben. Irgendwie muss der Ärger ja raus.
Am nächsten Tag stellten sie mir aber keinen anderen Fernseher ins Zimmer, sondern den kaputten von ihrem Sohn. Da ich keine Lust habe, Elektronikschrott in meinem Zimmer rumstehen zu haben, habe ich ihn eben in meinen Kleiderschrank geräumt, wo er sicher steht. Natürlich erst, nachdem sie meinte, dass sie leider keinen anderen Platz dafür hätte. Also gut, dann ab in den Schrank. Aus den Augen, aus dem Sinn.
Wie schon gesagt, wie immer hing mal alles an unterschiedlichen Ansichten zu einem bestimmten Thema. Sie machte mir über mehrere Minuten in entsprechend intensivem Ton deutlich, dass Fernseher, egal ob kaputt oder nicht, und Schuhe einen gewissen Platz hätten, denn wenn die Schuhe nicht an ihrem zugewiesenen Ort ständen, würde sie nicht saubermachen. Ich war kurz versucht, die Schuhe tatsächlich dort stehen zu lassen und auf ihre Reaktion am nächsten Tag zu warten, hab's dann aber dann doch gelassen, dem lieben Frieden wegen.
Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, und ich werde mich bald mithilfe von Mauricio in die Verhandlungen um meine Kaution und den Monat Januar begeben, da ich die ganzen vier Wochen nicht in Guadalajara sein werde, sondern mich Richtung Chiapas aufmache und nicht vorhabe, ihr dafür Miete zu zahlen. Oh mann. Wenn das alles ausgestanden ist und ich meine Kohle in der Hand habe, werde ich ihr mal klar und deutlich sagen, was ich von diesem Irrenhaus wirklich halte.
Und die Moral von der Geschicht': Wohnung bei Señora Sonia lohnt sich nicht.
Wie ihr wisst, wohne ich in seiner so genannten "casa de asistencia" (siehe auch weiter unten "Die ersten Tage"), sprich ich wohne mit der Vermieterin, ihrem Sohn und einem weiteren Studenten zusammen. Für 4800 Pesos im Monat, was ca. 310 Euro entspricht, macht sie unser Zimmer sauber, wäscht und bügelt unsere Wäsche, kocht uns ein Mittagessen, bei Bedarf auch Abendessen und stellt uns Frühstück bereit. So wollte ich es, so habe ich es bisher bekommen.
Gleich in der zweiten Woche bin ich schon mit ihr aneinander geraten, da ich für den 3. Oktober (Tag der deutschen Einheit) Badische Apfelküchle machen wollte, um sie für das gemeinsame Frühstück, das deutsche Lehrer organisieren, in die Schule mitzubringen. Da sie an dem Tag eh einkaufen gegangen ist und ich mal eben 'ne gute Woche in Mexiko war, hab ich sie gebeten, mir ein paar Sachen mitzubringen.
Schon als sie mit den Einkäufen nach Hause kam, hat sie sofort nach dem Geld für die Zutaten gefragt und war schon eine ganze Ecke steifer. Später, als ich dann anfing, die Apfelringe mit dem Teig in Fett auszubacken, kam sie zur Tür herein und das Theater fing an.
Sie redete etwas von einem "palo más alto", den ich mir verdient hätte (sprich eine Tracht Prügel, wenn ich das richtig verstanden habe), und dass ich von nun an nie mehr etwas in ihrer Küche machen dürfte, was ich woanders hin mitnehmen würde.
Ihr kennt mich vielleicht ein wenig und wisst, wie gerne ich koche und wie akribisch ich beim Saubermachen sein kann. Genau so habe ich auch ihre Küche wieder hinterlassen, blitzeblank, so wie vorher, wenn nicht noch strahlender. War ihr das genug? Nein! Sie meckerte in einer Tour weiter, beschwerte sich, jammerte mir die Ohren voll und wollte noch nicht einmal mehr etwas von den Küchle probieren. Gut, ich muss zugeben, ich habe ihre Küche, die wirklich klein ist, für drei Stunden, bis Halb Elf Uhr nachts in Beschlag gehalten, aber sie konnte das Sandwich, was sie für den anderen Studenten normalerweise hinstellt, ohne Probleme schmieren. Es war vielleicht ein wenig eng für 5 Minuten, aber das war's dann auch schon.
Sie hört einfach nicht auf, mich zuzutexten, so dass es mir dann irgendwann gereicht hat und ich mich nach kurzer Ankündigung (ya me voy) in mein Zimmer verzogen habe.
Am nächsten Tag haben wir uns "ausgesprochen", sprich sie hat das getan, was sie am besten kann: Darüber zu reden, was die anderen Hauswirtinnen alles nicht machen und sie besser, zu reden, zu reden und noch ein bisschen mehr zu reden. Sie erklärte, dass sie nicht an Männer in der Küche gewöhnt sei und ein seltsames Gefühl gehabt hätte. In der Tat ist ihr Sohn in der Nacht in seiner Wohnung zusammengebrochen und konnte irgendwie die Nachbarn verständigen, die ihn dann ins Krankenhaus gefahren haben. Das ist heftig, keine Frage. Ob's stimmt, eine andere.
Nach einer Stunde hatte ich ihr meine Sicht der Dinge geschildert, kurz mit Auszug gedroht und hatte für mich entschieden, dass ich auf keinen Fall mehr einen Fuß in ihre Küche setzen würde um dort etwas zu kochen, geschweige denn etwas für sie. Schade.
Fortsetzung des ganzen Ärgernisses
Señora Sonia kommt jeden Tag in unsere Zimmer, leert die Mülleimer, nimmt die dreckige Wäsche mit und saugt die Zimmer, wenn's nötig sein sollte. Bisher hatte ich immer meine Flip-Flops (=Hausschuhe) und manchmal auch ein paar Turnschuhe draußen stehen lassen, die von ihr konsequent in den Wandschrank in meinem Zimmer geräumt wurden, in dem ich alle meine Kleider und Taschen/Koffer verstaue. Das ging mir schon länger auf dem Keks, jedes Mal den Kleiderschrank zu öffnen, um an meine Latschen zu kommen. Ja, natürlich könnte ich das einfach so hinnehmen, aber man hat eben so seine Gewohntheiten und ein Mindestmaß an "Chaos" gehört einfach in ein Studentenzimmer wie klingelnde Handys ins Kino. Wenn es mal nicht klingen sollte, nimmt man es vielleicht angenehm zur Kenntnis, falls doch, regt man sich halt kurz auf und fertig. Vielleicht nicht der beste Vergleich, aber ihr versteht schon.
Keine Lust, wieder mein geliebtes Schuhwerk aus dem Dunkel des Kleiderkerkers zu befreien, habe ich ihr also heute morgen eine kurze Nachricht geschrieben: "Liebe Frau Sonia, bitte lassen sie meine Schuhe draußen stehen. Vielen Dank!" Das Resultat war phantastisch. Als ich heim kam, standen meine Schuhe an exakt dem Platz, an dem ich sie am morgen zurückgelassen hatte. Es verwirrte mich jedoch ein wenig, dass der Zettel immer noch dort war. Kurz nachdem ich nach Hause gekommen war, hielt sie mir dann wieder mal einen Vortrag, in dessen Verlauf sie sich ein wenig in Rage redete und mich fragte, ob sie sich wohl auch verpflichtet fühlt, eine Mutterrolle einnehmen zu müssen. Sie redete darüber, dass sie mir ja erlauben würde, mein Fahrrad, Surfboard und Longboard (skateboard) in meinem Zimmer aufzubewahren, sie keine muchacha, also ein Zimmermädchen oder Haushaltshilfe einstellen würde, sondern alles selbst machen würde und ihr das die Arbeit nicht gerade erleichtern würde. Stimmt, und ich bin ihr sehr dankbar dafür, dass ich meine Sachen in meinem angemieteten 10 Quadratmetern unterbringen kann und nicht gezwungen bin, diese Dinge auf dem Hausdach zu lagern, wo sich jeder selbst bedienen kann. Wirklich, ein feiner Zug von ihr, sehr großzügig.
Sie hielt mir vor, dass ich bisher zwei Gläser zerbrochen habe, leichte, nie mehr zu entfernende Streifen an die Wand unter meinem an die Wand gequetschten Minischreibtisch gemacht hätte und ihren 10-Euro-Klappstuhl, mit dem ich meine Wirbelsäule malträtiere, ebenfalls ein wenig in Mitleidenschaft gezogen hätte. Stimmt, ist mir alles passiert, tut mir auch leid, es geschah aus purem Zufall und ohne böse Hintergedanken. Was bitte kann ich dafür, wenn eine angerostete Strebe dieses hochwertigen chinesischen Qualitätsproduktes unter leichtem Druck nachgibt? Und ja, ich weiß, dass man keine Obstreste im Mülleimer zurücklässt, da es kleine hungrige Tierchen anzieht, kommt nicht mehr vor.
Aber dafür zahle ich Miete, und für mexikanische Verhältnisse nicht zu wenig. Man sollte meinen, für das bisschen Schwund sollte das Geld ausreichen. Ich hab mich während dem ganzen Gespräch gefragt, dass es eigentlich nicht sein kann, dass ich solche elternhaften Vorträge gehalten bekomme, wenn ich einfach nur ein Zimmer mit den angeführten Leistunden haben möchte und ich ihr damit teilweise den Lebensunterhalt finanziere - sie geht nämlich keiner anderen beschäftigung nach.
Damit nicht genug. Ich denke, die ganze Angelegenheit beruhte auf unserer unterschiedichen Auffassung von individueller Freiheit beziehungsweise der Vorstellung, wie ein Zimmer auszusehen hat, egal, ob jemand darin wohnt oder nicht.
Vor zwei Wochen hat sie den Fernseher in meinem Zimmer mit dem ihres Sohnes getauscht, weil der seine den Geist aufgegeben hat. Komisch, er war doch erst ein paar Jahre alt und lief nur den halben Tag. Das kam mir gerade recht, wenn auch etwas unvermutet und überraschend, aber eigentlich war ich froh, dass ich nicht mehr die Flimmerkiste in meinem Zimmer stehen hatte. Den in den 3 Wochen hatte ich meine Nachmittage und Abende mit den Kollegen von Scrubs, The Office oder Reno 911 verbracht. Keine schlechten Serien, aber es gibt doch interessantere Dinge in Mexiko, als sich den ganzen Nachmittag vor die Glotze zu hocken. Zum Beispiel, sich mit der eigenen Vermieterin rumzuplagen und danach einen mittellangen Kommentar darüber zu schreiben. Irgendwie muss der Ärger ja raus.
Am nächsten Tag stellten sie mir aber keinen anderen Fernseher ins Zimmer, sondern den kaputten von ihrem Sohn. Da ich keine Lust habe, Elektronikschrott in meinem Zimmer rumstehen zu haben, habe ich ihn eben in meinen Kleiderschrank geräumt, wo er sicher steht. Natürlich erst, nachdem sie meinte, dass sie leider keinen anderen Platz dafür hätte. Also gut, dann ab in den Schrank. Aus den Augen, aus dem Sinn.
Wie schon gesagt, wie immer hing mal alles an unterschiedlichen Ansichten zu einem bestimmten Thema. Sie machte mir über mehrere Minuten in entsprechend intensivem Ton deutlich, dass Fernseher, egal ob kaputt oder nicht, und Schuhe einen gewissen Platz hätten, denn wenn die Schuhe nicht an ihrem zugewiesenen Ort ständen, würde sie nicht saubermachen. Ich war kurz versucht, die Schuhe tatsächlich dort stehen zu lassen und auf ihre Reaktion am nächsten Tag zu warten, hab's dann aber dann doch gelassen, dem lieben Frieden wegen.
Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, und ich werde mich bald mithilfe von Mauricio in die Verhandlungen um meine Kaution und den Monat Januar begeben, da ich die ganzen vier Wochen nicht in Guadalajara sein werde, sondern mich Richtung Chiapas aufmache und nicht vorhabe, ihr dafür Miete zu zahlen. Oh mann. Wenn das alles ausgestanden ist und ich meine Kohle in der Hand habe, werde ich ihr mal klar und deutlich sagen, was ich von diesem Irrenhaus wirklich halte.
Und die Moral von der Geschicht': Wohnung bei Señora Sonia lohnt sich nicht.
Donnerstag, 6. Dezember 2007
Update!
Ick wees, ick wees, hab mir n büschn Zeit gelassen, bis ich wieder was raufgestellt habe. Aber dafür sind die Bilder gut geworden und es gibt viel zu erzählen. Die Berichte kommen noch diese Woche, schaut euch doch mal fürs erste die zwei neuen Fotogalerien in meinem Webalbum an, einmal von den drei Wochenenden, die ich am Strand in Barra de Navidad verbracht habe und das andere mal von den Tagen der Toten in der Region um Morelia am Wochenende vom 1. November. Diashow starten und zurücklehnen...!
Abonnieren
Posts (Atom)